von unserer Mitarbeiterin  Theresa Thein

Untermerzbach — 4.30 Uhr an einem Dienstagmorgen. Die Luft in Untermerzbach ist angenehm kühl, es dämmert. Die Einzigen, die um diese Uhrzeit schon wach sind, sind die zwitschernden Vögel. Und Christian Bach. Der 42-Jährige ist selbstständiger Gärtner und bereitet alles für den Wochenmarkt in Ebern vor. Um 8 Uhr erwarten ihn dort die ersten Kunden.

In den Großmarkt

Doch für ihn geht es schon drei Stunden früher los - mit dem Einkauf beim Großmarkt. Dazu fährt er mit seinem weißen Sprinter mit eingebauten Regalen im hinteren Teil um 5 Uhr nach Bamberg. Erste Station ist ein Großmarkt im Osten von Bamberg. Auf einer Fläche von ungefähr drei Fußballfeldern verteilen sich hier bei gerade einmal fünf Grad über 5000 verschiedene Lebensmittel. Von frischem Obst und Gemüse aus der Region bis hin zu exotischen Früchten gibt es hier alles. Sieben Meter hohe, gefüllte Regale ziehen sich durch das Gebäude. Bach füllt hier den Bestand der Gärtnerei auf, um seinen Kunden auf dem Markt eine möglichst große Auswahl bieten zu können. Denn das Schwierigste an seinem Beruf ist, mit den Bau- und Supermärkten mithalten zu können.
Um 5.30 Uhr ist viel los im Großmarkt. Um jede Ecke kommt jemand mit einem Einkaufswagen. Der Gärtner aus dem Landkreis Haßberge nimmt eine Nektarine in die Hand und prüft sie kritisch auf Druckstellen. "Ich achte darauf, dass die Ware frisch und von guter Qualität ist", erklärt Bach. Die Nektarinen gefallen ihm und er packt eine Kiste mit etwa 40 Stück auf den Wagen. Besonders wichtig ist es ihm, dass das Obst und Gemüse, das er hier kauft, aus der Region, beziehungsweise aus Deutschland, kommt, "wobei man sich da bei exotischen Früchten ein bisschen schwertut", gesteht der Gärtner augenzwinkernd.

Auf Bestellung

Nach 20 Minuten ist Bach fertig mit seiner Einkaufstour. Sein Wagen ist voll mit Nektarinen, Kiwis, Karotten, Kartoffeln, Kohlrabi, Zitronen und Zwiebeln. Nach dem Bezahlen lädt er alles in den Sprinter und es geht weiter zum nächsten Händler ganz in der Nähe. Hier trifft er sich um 6 Uhr mit kleineren Großhändlern aus der Bamberger Umgebung, bei denen er am Tag vorher seine Ware telefonisch bestellt hat. Dieses Mal sind es Tomaten und Erdbeeren. Anschließend geht es zurück zur Gärtnerei.
In Untermerzbach angekommen, räumt er die eingekaufte Ware nun in den Kleintransporter, mit dem er danach auf den Markt fährt.

Bunte Sammlung

Nach etwa einer halben Stunde ist alles optimal im Transporter verstaut. Es reihen sich darin zwei Meter hohe, silberne Marktregale mit pinken und weißen Petunien, roten Gottes-augen und Gerbera in kräftigem Gelb und Orange aneinander. Daneben steht ein Regal mit einer großen Auswahl an Gemüsepflanzen aus eigener Zucht, falls ein Kunde seinen grünen Daumen selbst unter Beweis stellen möchte. Paprika, Kopfsalat, Gurken, Tomaten: Hier gibt es alles, was das Hobbygärtnerherz begehrt.
Als Gärtner geht es nicht nur darum, Pflanzen in den Boden zu setzen, sie zu gießen und zu hoffen, dass sie wachsen. "Am anstrengendsten sind die saisonabhängigen Arbeitsspitzen, wie zum Beispiel die Frühjahrsbepflanzung oder die Geranien-Zeit. Die Abstände zwischen den Spitzen werden von Jahr zu Jahr kürzer und der Fall immer tiefer. Je nachdem was gerade wächst oder blüht und wie groß die Nachfrage ist, steht besonders viel Arbeit an", schildert der 42-Jährige.
Auch das Marktfahren zerrt an den Kräften, gibt Bach unumwunden zu. "Das hat schon etwas mit Idealismus zu tun", gibt Bach zu, "mit einem Job im Büro könnte ich mein Geld sicherlich leichter verdienen. Aber ich kann mir gar keinen anderen Beruf mehr vorstellen." Den Hauptumsatz muss er zwischen Mitte April und Ende Mai erwirtschaften "sonst rechnet sich das Ganze nicht".

In dritter Generation

Bach wurde in den Beruf hineingeboren: Väterlicherseits ist er Gärtner der dritten Generation, mütterlicherseits sogar schon der fünften - eine richtige Traditionsgärtnerei also. Ob sein zwölf Jahre alter Sohn, der ab und zu bei den Vorbereitungen für den Markttag hilft, den Laden später einmal übernehmen wird, weiß Bach nicht.

"Gärtner der alten Schule"

An besonders heißen Tagen kommt es schon ab und zu vor, dass der 42-Jährige extra noch einmal in die Gärtnerei gehen muss, um die Pflanzen zu gießen. Und auch mit dem Urlaub sieht es nicht rosig aus. Sieben bis höchstens 14 Tage im Jahr kann er sich erlauben - in der Hauptsaison von Ende Februar bis Ende Juli gar keine. Trotzdem will er den Job bis zur Rente machen, denn er liebt seine Arbeit. Er selbst bezeichnet sich als "Gärtner der alten Schule", den es "stolz macht, etwas aufwachsen zu sehen".

Präsentation ist wichtig

Nach einer 15-minütigen Fahrt kommt Bach auf dem Marktplatz in Ebern an. Seine Schwiegermutter Erika wartet schon auf ihn. Die Rentnerin unterstützt ihn beim Verkauf. Zusammen rollen sie die Marktregale aus dem Transporter und gestalten damit den Marktplatz. Auf den 60 Quadratmetern, die sie zur Verfügung haben, steht in der Mitte unter einem großen grün-weiß gestreiften Sonnen-schirm der Verkaufstisch mit der Geldkasse und einer Waage.
Davor werden auf weiteren Tischen Obst und Gemüse präsentiert: Kisten voller Zitronen, Kiwis, Karotten, Bananen, Paprika, Tomaten, Gurken und leuchtend roten Erdbeeren. Einige Paletten mit Topf- und Balkonpflanzen werden vor den Tischen auf dem Pflastersteinboden ausgebreitet.
In der Morgensonne leuchten die Waren noch kräftiger. Hinter dem Verkaufstisch stellen Bach und seine Schwiegermutter Regale mit Gemüsepflanzen auf. Die beiden sind noch gar nicht fertig mit dem Ausräumen, da kommt Punkt 8 Uhr der erste Kunde. Ein älterer Herr mit grauer Stoffhose und dicker Brille fragt nach Salatpflanzen. Erika packt ihm fünf Pflänzchen ein, die beiden halten ein Pläuschchen. Gang und gäbe auf dem Markt - hier kennt man sich. So geht das den ganzen Vormittag: ein fliegender Wechsel der Kunden. Die einen wissen genau, was sie haben möchten, die anderen bitten Bach um Beratung. Bach weiß, dass seine Kunden die Qualität der Ware und die Beratung schätzen, "außerdem finden sie es gut, dass man bei mir auch mal nur eine oder zwei Tomaten kaufen kann, und nicht gleich ein halbes Kilo wie im Supermarkt".
Der Gärtner hat das Gefühl, dass auch immer mehr jüngere Leute zu seinem Stand kommen. Sonst sind es vor allem die über 30-Jährigen, die bei ihm einkaufen. "Mittlerweile kommt auch schon die zweite und dritte Generation von Kunden zu uns. Das wird richtig weitervererbt", freut sich der 42-Jährige.
Inzwischen ist es 10.30 Uhr, der Himmel ist klar, die Sonne scheint und es hat 25 Grad. Bach befeuchtet Obst und Gemüse mit einem feinen Wassersprüher, damit es bei der Hitze frisch bleibt. Der Verkauf auf dem Markt ist kein gemütliches Hinter-der-Kasse-Stehen und Warten bis jemand kommt, "aber es lohnt sich finanziell", räumt der Gärtner ein.
Bei Wind und Wetter steht er hier, das heißt sowohl bei 35 Grad im Sommer als auch bei knapp über null Grad im Winter, da der Marktbetrieb bis Anfang Dezember geht. "Das reicht dann aber auch. Danach weiß man nämlich wirklich, was man getan hat", gibt er zu. Die ganze Vor- und Nachbereitung kostet viel Zeit und Kraft.
Um 13 Uhr geht es zurück nach Untermerzbach. Da wird das Obst und Gemüse, das nicht verkauft wurde, in den Kühlraum gestellt und es geht mit den Vorbereitungen für den nächsten Tag los: Denn nicht nur in Ebern verkauft der Gärtner seine Ware, sondern auch in Neustadt bei Coburg.