Erholt von dem "Tiefschlag" bei den Kommunalwahlen 2014 zeigten sich die Freien Wähler "Bürgerblock" Seßlach in der Gleismuthhausener Vereinshalle. Stolz verwies Vorsitzender Maximilian Neeb auf die Impulse vom FW-Sommerfest: "Vor Ort haben wir den Startschuss für die Sanierung des Schwimmbads und der Freizeitanlage Autenhausen gegeben."
Das Thema sei danach nicht nur in den Fokus des Stadtrats gestellt worden. Im Vorstand des neugegründeten Fördervereins engagieren sich mit Martina Kilian, Josef Starkl und Andreas Gsänger gleich drei Vertreter der Freien Wähler. Mit rund hundert Mitgliedern stelle der Bürgerblock die größte politische Vereinigung im Stadtgebiet.
"Wir versuchen durch sachliche und konstruktive Beiträge die Entscheidungen im Interesse der Bevölkerung zu beeinflussen", sagte Gudrun Jöchner. An den Abstimmungsergebnissen ließe sich ablesen, dass dies nicht immer gelinge. Wie beim Thema Windkraft: "Obwohl die Messungen auf der Watzendorfer Höhe ein überraschend gutes Ergebnis lieferten, werden wir hier auf Granit beißen." Dabei wären gerade die drei ursprünglich auf Seßlacher Gebiet vorgesehenen Windräder die wirtschaftlichsten, fügte Berthold Borczyk hinzu. Bezahlbare Energie in Bürgerhand sei ein Standortvorteil. Uwe Siegel zeigte sich überrascht, dass der Stadtrat mehrheitlich die Windräder ablehnt, aber ohne Widerspruch 20 Hektar landwirtschaftlicher Fläche für einen neuen Solarpark "platt mache".


Sparen mit Coburger Hilfe

Ralf Würstlein erläuterte den Haushalt 2016: Laufe alles wie geplant, könnten zum Jahresende 534 000 Euro an Schulden getilgt und der Schuldenstand unter vier Millionen Euro (rund 1000 Euro pro Einwohner) gedrückt werden. Beim Thema Sparen wurde eine Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg angesprochen. Dies sei zum Beispiel beim Standesamt möglich. Ein Bürgermeister könne weiterhin Ehen schließen. Möglich sei die Kooperation mit Nachbargemeinden, doch gab Neeb zu bedenken: "Dann müssten wir das Erledigen der Standesamtsaufgaben günstiger anbieten als die Stadt Coburg."
Befremdlich nannte Jöchner den Umstand, dass viele Themen in den nicht öffentlichen Sitzungen behandelt werden, obwohl dies Grundstücks-, Personal- und Steuerangelegenheiten vorbehalten sei. "Es scheint, als wenn vieles, was irgendwie Widerspruch erwarten lässt, vorab im stillen Kämmerlein beschlossen wird", sagte sie.
Oft werde gefragt, warum die FW nicht mit einem Stand auf dem Adventsmarkt vertreten seien, berichtete Neeb. Jöchner lehnt dies aus Überzeugung ab. Wichtiger für die Arbeit im Stadtrat sei es, an den Bürgerversammlungen teilzunehmen: "Da erfahre ich aus erster Hand, was die Bürger bewegt", erklärte Jöchner. Bei der Beratung des Kreishaushalts hätten die FW ihre Vorstellungen mit guter Vorarbeit durchgebracht. Beim Widerstand gegen die Stromtrassen plädierte er für landkreisweite Zusammenarbeit.


Nicht das Ob, es ist das Wie

Deutliche Worte fand Gunsenheimer beim Thema Flüchtlinge: "Wir müssen und wir werden den Menschen helfen, die zu uns kommen." Die Frage sei nicht ob, sondern wie diese Herausforderung zu meistern sei. Im Hinblick auf die Wahlen 2020 gelte es rechtzeitig die Weichen zu stellen, sagte Gunsenheimer. Mit den Worten "Niemand macht mir weniger Sorgen als Seßlach" attestierte er dem Bürgerblock eine "Vorbildfunktion". Bettina Knauth