Ulrike Saul und Simon Rebitzer sind die Klimaschutzbeauftragten des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt. Ulrike Saul ist Politikwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Umwelt und seit 2013 für das Landratsamt tätig. Seit 2017 teilt sie sich die Vollzeitstelle als Klimaschutzbeauftragte mit Simon Rebitzer, der gelernter Umweltingenieur mit Schwerpunkt Energietechnik ist. Gemeinsam mit Bürgern, Energieberatern und Kommunen verfolgen die beiden das Klimaschutzziel, die CO2 -Emissionen des Landkreises bis 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 zu reduzieren.

Ulrike Saul ist unter anderem verantwortlich für den Aufbau der Energieberatung im Landkreis: Fünf Rathäuser sind nun Stützpunkte, bei denen Bürger telefonisch und persönlich beraten werden können. Die größere Nachfrage bringen jedoch die Beratungen vor Ort mit sich, bei denen einer von fünf selbstständigen Energieberatern eine energetische Zustandsanalyse vornimmt. Für 30 Euro können sich Hausbesitzer dabei ausführlich zu den möglichen Maßnahmen informieren, um beispielsweise die kommende CO2 -Abgabe gering zu halten.

Im vergangenen Jahr hätten bereits 430 solcher Beratungen stattgefunden, erzählen die Klimaschutzbeauftragten stolz. Allein 250 dieser Beratungen fanden in einer besonderen Beratungsaktion in der Gemeinde Bubenreuth statt, in der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde aktiv auf die Bürger zugegangen wurde, um sie für eine Energieberatung zu gewinnen.

Zusätzlich wurde im Rahmen eines Energienutzungsplans für das gesamte Gemeindegebiet von Bubenreuth untersucht, wie zukünftig eine möglichst effiziente und klimafreundliche Deckung des Wärmebedarfs erfolgen kann. Momentan konkretisieren sich die ersten Untersuchungen in einer Machbarkeitsstudie, die den Aufbau eines Nahwärmenetzes für einen Teil der Gemeinde vorsieht - Bubenreuth habe einiges vorzuzeigen.

Auch über das Stromsparen und die Photovoltaik können sich Bürger von ehrenamtlichen EnergieberaterInnen des Vereins "Energiewende ER(H)langen" informieren lassen. Doch nicht nur private Haushalte lassen sich von Ulrike Saul, Simon Rebitzer und ihren Kooperationspartnern beraten, auch die Kommunen arbeiten eng mit ihnen zusammen. Es wird geprüft, wie viel Energie einzelne Gebäude in den Gemeinden verbrauchen und wo vielleicht energetisch schlechte Gebäudehüllen und veraltete Heizungen einen hohen Verbrauch mit sich bringen.

Hohe Investitionen schrecken ab

Ulrike Saul und Simon Rebitzer unterstützen die Kommunen bei der energetischen Modernisierung und der Umrüstung der veralteten Energiequellen auf erneuerbare, klimafreundliche Alternativen. Für Neubaugebiete bieten die Klimabeauftragten die Erstellung von Energieversorgungskonzepten an, was vor allem wichtig ist, wenn die Planung noch ganz am Anfang steht.

Eine klimafreundliche Wärmeversorgung oder die sogenannte Wärmewende sei der am schwierigsten umsetzbare Aspekt, erklärt Simon Rebitzer, da im Bestand oftmals die Sanierung der Gebäudehüllen nötig sei, um die idealerweise erneuerbar erzeugte Wärme nicht durch ungedämmte Fassaden, Dächer oder Fenster zu verlieren. Eine so hohe Investition schrecke die Leute nicht selten ab, rechne sich aber mittel- bis langfristig, berichtet der Fachmann aus Erfahrung.

Da es in ländlichen Regionen besonders schwierig ist, das Auto durch andere Transportmittel zu ersetzen, sind natürlich auch der Ausbau des Rad- und Fußverkehrs sowie die Optimierung des ÖPNV Ziele der Klimaschutzbeauftragten, berichtet Ulrike Saul. Diese Themen stehen beim Sachgebiet "Öffentlicher Personennahverkehr" und beim neuen Radverkehrsbeauftragten des Landratsamtes im Vordergrund.

Und bei Autos müsse man versuchen, den Antrieb auf klimafreundliche Alternativen, kleine batterie-elektrische Autos umzustellen sowie ein sinnvoll ausgebautes Ladesäulennetz bereitzustellen. Car-Sharing und "kleine" E-Mobilität sollen auf jeden Fall weiter gefördert und beworben werden. Im Rahmen dieser Umrüstung organisieren die Klimabeauftragten beispielsweise auch Workshops mit Unternehmen, wo Experten die Potenziale der E-Mobilität - vom Fuhrparkmanagement bis zum Jobrad - näher beleuchten.

Ulrike Saul und Simon Rebitzer arbeiten sowohl mit privaten Haushalten als auch mit dem Gewerbe und dem öffentlichen Sektor zusammen, um den Klimaschutz im Landkreis Erlangen-Höchstadt voranzubringen. Vom selbst gesteckten Klimaschutzziel für das Jahr 2030 ist der Landkreis dennoch weit entfernt, geben beide zu. Hier gebe es noch sehr viel zu tun und bedürfe es letztendlich auch großer gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen. vs/red