Noch vier Tage bis Kronach. Dann sollen sich Wege eröffnen und Träume erfüllen. Im besten Falle. Am Sonntag hatten vier Pianisten im Stadtschloss eine Art Generalprobe für den Regionalentscheid bei "Jugend musiziert". Doch wer sind sie und was treibt sie an? Streiflichter aus einer Stunde Klaviermusik.
Mattei Tabus ist sieben Jahre alt. Ein Steppke, würde man in Berlin sagen, Altersgruppe Ia heißt es hingegen bei "Jugend musiziert". Doch der Knabe spielt Allegri und Präludien, Wiegenlieder und Tänze. Sein Benehmen wirkt tadellos und wenn er mit einem spricht, fixiert er einen und wirkt durchaus bestimmt und entschlossen. Ob Disziplin beim Proben so ein Verhalten formt? Den Schemel des schwarzen Konzertflügels im Stadtschloss muss er erklettern. Doch sitzt er oben, dann baumeln seine Füße noch gut 20 Zentimeter über dem Boden. Aber eine Nummer kleiner gibt es keinen Steinway und so zeigt Mattei, was er kann. Von den fünf Komponisten, die er spielen wird, ist nur Mozart allgemein bekannt. Sein Allegro (Köchelverzeichnis 3) absolviert Mattei mit nur einer leichten Unentschlossenheit beim Tempo.
Nervös? Laura Wachter? Man könnte es von der Reundorferin glauben, greifen die Hände der Neunjährigen unter stetiger Bewegung vor dem Auftritt doch ineinander. Das tue sie immer, sagt sie. Auf die Frage, ob sie eher bei einer Schulprobe oder vor 50 Leuten im Publikum aufgeregt sei, antwortet sie: "Eigentlich bin ich nie aufgeregt." Auf "täglich 20 Minuten" belaufe sich ihr Übungsaufwand. Ob ihr die Stücke auch fernab von einem Klavier durch den Kopf gingen? "Ich habe die Sachen nur im Kopf, wenn ich am Klavier sitze", erzählt Laura. Unter anderem wird sie von Peter Tschaikowsky "Die kranke Puppe" spielen. Dabei wird das Publikum Ohrenzeuge eines großen Einfühlungsvermögens. So, als bestünde in der Behandlung des Tempos die Möglichkeit, Mitgefühl auszudrücken, zeichnet die Neunjährige das lautmalerische Bild eines Zustandes. Für die Schule, so erklärt sie unserer Zeitung im Gespräch, arbeite sie gerade an einem Referat über diesen Tschaikowsky.


Musikgymnasium für Begabte

Jonathan Burger schraubt am Auftritt und am Erfolg überhaupt. Der Schemel, den Laura Wachter ihm hinterlassen hat, ist zu niedrig, darum schraubt er ihn in die Höhe. Andererseits ist der 13-jährige Ebensfelder auch auf einem Musikgymnasium für Begabte. Im Anzug sitzt er am Steinway und einen modischen Kontrapunkt dazu bilden seine Turnschuhe. Auf den Socken wird ein Schriftzug sichtbar: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Martin Luther lässt grüßen. Nervös vor Publikum? "Nö", wiegelt er auf Nachfrage sofort ab. Sein Übungsaufwand ist ungleich höher als Lauras und Profimusiker, das wäre schon was. Vielleicht ließ sich am Sonntag die Berechtigung dieser Vorstellung an keinem anderen Stück besser erweisen, als an Mendelssohn-Bartholdys Spinnerlied op. 67,4. Gerade diesen Noten gelang es Burger in fehlerfreier Manier noch eine Art Silberschimmer aufzusetzen. Ergebnis guter Technik und musikalischer Ausbildung.
Beschlossen wurde das Konzert von der Lichtenfelserin Esther Schadt. Auch sie ein Gewächs der städtischen Heinrich-Faber-Musikschule. Vor Schulproben, so sagt sie, sei sie aufgeregter als vor Konzerten. Sie wischt den Flügel ab, beseitigt Schweißspuren und legt los. Von Rasanz getragen ist ihre Darbietung, besonders die des ersten Satzes der Sonate op. 14,1 von Ludwig van Beethoven. Schnelle Läufe, Tempowechsel. Wie Burger spielt auch die 17-Jährige ihre Auswahltitel aus dem Gedächtnis, memoriert Note um Note. Musikerin zu werden, könne sie sich beruflich vorstellen. Auch Schauspielerin. Auf den weiteren Plätzen folgen bürgerlichere Berufe. Auf Wunsch ihrer mittlerweile verstorbenen Oma näherte sie sich 2014 auch der Orgel an. Ein erklärtes Ziel für Kronach hat sie: "Ein erster Platz, am besten noch mit Weiterleitung."
Noch vier Tage bis Kronach. Bei den gehörten Leistungen "seiner" Schüler machte am Ende des Konzertes auch Reinhard Arnold, Leiter der Heinrich-Faber-Musikschule, einen ganz entspannten Eindruck.