In Zusammenarbeit mit dem Universitätsbund Würzburg bietet die Volkshochschule in Marktbreit einen Vortrag über die Kommunikation der Insekten an. Prof. Dr. Thomas Schmitt stellt neue Forschungsergebnisse vor und gibt einen Einblick in die Welt der chemischen Kommunikation bei Insekten. Termin: Mittwoch, 25. Januar, von 19.30 bis 21.30 Uhr im Rathaus Marktbreit. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

Der Referent hat in Würzburg und Albany, USA, Biologie studiert. Danach ging er als Assistent für acht Jahre an die Universität Freiburg gegangen, wo er habilitierte. Nach einem kurzen Aufenthalt an der TU Darmstadt als Gruppenleiter folgte er einem Ruf auf die Professur für Tierökologie mit dem Schwerpunkt Tropenbiologie an die Uni Würzburg im Jahre 2013.

Frage: An Insekten begeistert mich…

Thomas Schmitt: ...ihre Anpassungsleistungen im Laufe der Evolution und ihre Bedeutung für das Leben auf der Erde.

Was zählt alles zu Insekten?

Schmitt: Schmetterlinge, Fliegen, Wespen, Bienen, Ameisen, Käfer, Stabschrecken – alles, was ein Exoskelett und sechs Beine hat.

Ihr Lieblingsinsekt?

Schmitt: Ein Lieblingsinsekt habe ich nicht. Besonders schön sind Goldwespen mit ihren schillernden Farben.

Wie darf man sich einen Lehrstuhl für Zoologie vorstellen?

Schmitt: Unser Zoologie-Lehrstuhl steht für Tierökologie und Tropenbiologie. Also nur einen Teil der Zoologie. Wir interessieren uns vor allem für die Interaktionen zwischen Arten, deren Netzwerken und wie sie auf Störungen reagieren. Andere Zoologie-Lehrstühle haben andere Schwerpunkte.

Wie sehr sind Insekten vom Artensterben betroffen?

Schmitt: Sehr stark. Weil sie von intensivierter Landwirtschaft, dem Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden sowie dem Klimawandel negativ beeinflusst werden.

Was macht Sie in diesem Zusammenhang besonders traurig?

Schmitt: Dass das Artensterben immer noch nicht im Bewusstsein vieler Menschen angekommen ist.

Was brachte Sie dazu, sich mit der Insekten-Kommunikation zu beschäftigen?

Schmitt: Ich habe mich schon während meines Studiums intensiv mit der Kommunikation von Insekten beschäftigt. Das war ein Schwerpunkt der Forschung an der Universität Würzburg.

Wie genau erforscht man so etwas?

Schmitt: Methodisch kann man es in die chemischen und biologischen Analysen aufteilen. Die chemischen Analysen werden in meinem Labor vor allem mit Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie durchgeführt. Dabei versuchen wir die dreidimensionale Struktur von Signalstoffen aufzuklären. 

Kann man also von „Duftflüstern“ sprechen?

Schmitt: Das würde ich so nicht sagen. Vor allem bei Substanzen, die eine abwehrende Wirkung haben, würde ich eher von „Schreien“ sprechen. Wir Menschen können aber viele dieser Signalstoffe in den eingesetzten Konzentrationen nicht riechen.

Wie funktioniert das mit den Signalstoffen?

Schmitt: Insekten kodieren Informationen meist durch Kombinationen von verschiedenen Substanzen. Über weite Entfernungen werden flüchtige Substanzen aus Drüsen bewusst in bestimmten Kontexten abgegeben. Im Nahbereich können Informationen über eine Wachsschicht, die alle Insekten auf ihrer Oberfläche tragen, übermittelt werden. Diese Informationen werden von sogenannten „olfaktorischen Rezeptoren“ in den Antennen von Insekten wahrgenommen und an das Gehirn weitergeleitet.

Was erzählen sie sich?

Schmitt: Die Informationen können sehr vielfältig sein. Ich bin ein Paarungsparter; ich gehöre zum gleichen Nest; ich bin deine Königin; ich lege Eier; ich brauche Hilfe, weil ich verletzt bin, ich bin infiziert und könnte die Kolonie gefährden und vieles mehr.

Was heißt zum Beispiel: „Die Sonne scheint?“

Schmitt: Den Code für diese Information kenne ich nicht.

Warum ist der Mensch so achtlos gegenüber Insekten?

Schmitt: Darauf weiß ich keine Antwort. Insekten sind essenziell für das Leben auf der Erde und haben wichtige Funktionen, wenn es um Leistungen in den Ökosystemen geht. Viele Blütenpflanzen sind zum Beispiel auf Bestäuber angewiesen.

Was erwartet die Besucher in Marktbreit genau?

Schmitt: Ich möchte in meinem Vortrag einen Überblick über die Vielfalt der chemischen Kommunikation bei Insekten geben und dabei spannende Einblicke in eine für unsere Sinne unbekannte Welt geben.