Der Kirchenraum der Heilig Kreuz-Kirche in Wiesenbronn war gut gefüllt. Etwa 100 Besucher waren erschienen, um bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Mehr als Steine. Synagogen in Unterfranken" dabei zu sein.

Die Ausstellung des Stadtarchivs Würzburg wurde geplant in Kooperation mit dem Team des Synagogengedenkbands Bayern und dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Ludwig Spaenle. Sie informiert über die ehemaligen und heute zum Teil noch erhaltenen Synagogen. Speziell für Wiesenbronn wurde sie um zwei Schautafeln erweitert, die die jüdische Gemeinde Wiesenbronn und das Synagogengebäude vorstellen.

Das Gebiet des Regierungsbezirks Unterfranken war vor der Säkularisation die am dichtesten mit jüdischen Gemeinden besiedelte Region Bayerns. Im Jahr 1930 gab es hier noch 112 Gemeinden mit Synagogen, bevor sie durch die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 oder später zerstört worden sind. Bis dahin lebten Juden und Christen in langen Phasen friedvoll nebeneinander und miteinander. Allerdings gab es auch immer wieder Ausgrenzungen. Heute sind die Gebäude kaum noch im Ortsbild der jeweiligen Gemeinden zu erkennen, viele wurden abgerissen oder zweckentfremdet.

Prägend fürs Stadtbild

Nun hatten sich die Kirchengemeinde Heilig Kreuz und der Förderverein Ehemalige Synagoge Wiesenbronn darum bemüht, die Exponate nach Wiesenbronn zu bringen. Hier steht immerhin noch das alte Synagogengebäude mit Mikwe, allerdings heute als Wohnhaus. Pfarrerin Esther Meist gab einen Rückblick auf das jüdische Leben in Wiesenbronn. Sie erwähnte zudem, dass die Synagoge hier im Ort aufgegeben werden musste, weil die jüdische Gemeinde zu klein geworden war. Nach Grußworten von Ulrich Fritz, dem Büroleiter von Ludwig Spaenle, Dekan Günther Klöß-Schuster und Barbara Becker, MdL und Synodale, fasste Kuratorin Cornelia Berger-Dittscheid die wichtigsten Gedanken und Informationen der Ausstellung zusammen, an der sie mit anderen 20 Jahre lang gearbeitet hatte. Die Ausstellung zeigt Bauformen von Synagogen und ihre Entwicklung von unscheinbaren Hinterhof-Synagogen zu repräsentativen Bauwerken mit Türmen und Kuppeln, die die Stadtbilder weithin prägten, wie auch in Kitzingen.

Alle Redner machten deutlich, dass auf der einen Seite Repressalien gegen Jüdinnen und Juden verfolgt und bestraft werden müssen und auf der anderen Seite viel dafür getan werden muss, dass Judenhass auch heutzutage weder entsteht noch fortbesteht. Die Besucher sangen das "Schalom chaverim", das bekannte hebräische Friedensgebiet. Der Posaunenchor der Heilig Kreuz-Kirche bereicherte die Veranstaltung unter der Leitung von Maximilian König mit hebräischen Musikstücken.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. November 2022 täglich von 8-20 Uhr geöffnet. Parallel dazu erschien 2021 im Verlag Josef Fink "Mehr als Steine... Synagogengedenkband Bayern. Teilband III/2: Unterfranken" auf Anregung des Synagogue Memorial Institute Jerusalem. Hier wird detailliertes Wissen über jüdisches Leben in Bayern vermittelt.