"Alkohol und Stress daheim" nannte ein 17-Jähriger als Gründe dafür, dass er einen E-Scooter in der Herrnstraße in Kitzingen gestohlen hatte. Viel hatte er nicht von dem Elektroroller. Er fuhr mit ihm ein paar Meter bis zum Main. Dort stellte er ihn ab und ein Kumpel warf das Gerät überdies in den Fluss. Jetzt saß der 17-Jährige wegen Diebstahls vor dem Kitzinger Jugendgericht. Dass er mit 60 Sozialstunden davon kam, lag vor allem auch daran, dass das weniger Stress daheim gibt.

Den gab es, seit sich im Kindergarten gezeigt hatte, dass der Angeklagte am ADHS-Syndrom leidet. Probleme und das auffällige Verhalten zogen sich durch die Kindergarten und die Schulzeit. Die Eltern trennten sich. Der Junge lebte bei der Mutter. Die war offensichtlich überfordert. Es kam zu Straftaten wie Sachbeschädigungen und Drogenmissbrauch.

Mit dem jungen Mann geht es bergauf

Nach der letzten Verurteilung im April 2022 hat sich allerdings etwas geändert. Der junge Mann lebt seitdem beim Vater. Nach Auskunft der Jugendgerichtshilfe hat der den richtigen Draht zu seinem Sohn und den nötigen Einfluss auf ihn. Es geht bergauf. Der junge Mann hat nun einen Teilzeitjob und gute Aussichten auf eine Ausbildung. "Ein Neuanfang ist möglich", sagte der Vertreter des Jugendamts und schlug Sozialstunden als Strafe für den Diebstahl vor.

Dass die Straftat noch vor dem Wechsel zum Vater lag, sah auch das Gericht. Der Wechsel und die neuen Perspektiven waren auch die Gründe, warum Jugendrichter Wolfang Hülle auf einen Arrest verzichte und dem jungen Mann mit Sozialstunden eine Chance gegeben hat.

Die 60 Stunden bekam der junge Mann für einen Diebstahl, den er wohl zusammen mit Kumpels begangen hat und den er heute als "nicht cool und eher blöd " einschätzt. "Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe; das war eine dumme Idee", sagte er dem Gericht. Die Folgen hat er versucht, wieder gut zu machen. Beim Besitzer des E-Scooters hat er sich entschuldigt. Er überweist ihm zur Schadensregulierung 400 Euro, in Raten zu 50 Euro. Zudem hat er den Kontakt zu den ehemaligen Kumpels abgebrochen.

Alles Punkte, die zusammen mit dem Geständnis auch die Staatsanwältin dazu veranlassten, es mit 60 Sozialstunden gut sein zu lassen. Das Gericht griff den Antrag auf. Zu den Sozialstunden kamen die Kosten des Verfahrens und der dringende Hinweis, die Chance zu nutzen und nicht wieder "irgendwelche Dummheiten zu machen".