Fünf Jahre waren vergangen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als sich in Bayern wieder Schützenvereine aus den Ruinen erhoben und gemeinsam den bayerischen Schützenbund bildeten. Zwei Jahre später sollten es in der Region Kitzingen neun Vereine sein, die sich zu einem Schützengau zusammenschlossen. 70 Jahre später feierte dieser nun bei der Schützengesellschaft Marktsteft seinen runden Geburtstag. Anlass für Ehrungen, Rückschau, aber auch Appelle der Funktionäre, die Zukunft des Schützenwesens zu sichern.

30 Mitgliedsvereine hat der Schützengau Kitzingen heute mit rund 3200 Aktiven, die sich dem Schießsport verschrieben haben. Aus Kitzingen, Iphofen, Marktbreit, Prichsenstadt, Obernbreit, Wiesenbronn, Großlangheim und Mainbernheim stammten einst die Gründungsvereine des Schützengaus, der seither als Dachorganisation fungiert.

Roland Lewandowski, Altbürgermeister von Kleinlangheim und langjähriger Schützenbruder, hatte in den vergangenen Monaten eifrig die Chroniken studiert und trug der Versammlung einige Schlaglichter der vergangenen sieben Jahrzehnte vor. Zahlreiche Wettbewerbe und Feste hatten stattgefunden, darunter vier Berzirksschützentage und 1964 sogar einmal ein bayerischer Schützentag in Kitzingen. Eine erlebnisreiche Zeit, auf die an diesem Abend nicht nur er mit Wehmut zurückblickte. "Machen wir uns nichts vor: Die Zeit der großen Gauschützenfeste ist vorbei", erklärte Lewandowski und verwies auf die immer dünner werdende Mitgliederzahl der Vereine, die nicht zuletzt in den letzten zwei Jahren wegen der restriktiven Corona-Bestimmungen gesunken ist – wie auch bei anderen sportlichen Vereinen.

Nachwuchs lässt auch bei Schützenvereinen zu wünschen übrig

Bezirksschützenmeister Matthias Dörrie stieß ins selbe Horn. Das Schützenwesen habe in seiner jahrhundertelangen Tradition schon viele Widrigkeiten erlebt. Während des Zweiten Weltkrieges sei es sogar verboten gewesen, um danach eine neue Blüte zu erleben. Heute gefährden nicht Krieg oder Politik den Schießsport, sondern zunehmend mediale Ablenkungsmöglichkeiten beim Nachwuchs und eine allgemein sich weiter auseinanderlebende Gesellschaft. Der Leinacher pries vor allem die wertvolle Jugendarbeit, die von den Vereinen nicht vergessen werden sollte, bilde sie doch das Rückgrat der Zukunft.

Doch es gab auch Anlass zur Freude: Der Gau kürte seine Hoheiten des Jahres 2022. Gaukönig wurde Roland Körting (Dettelbach), seine Ritter sind Tobias Schober (Segnitz) und Michael Schönberger (Altenschönbach). Die Prichsenstädterin Samarah Ott darf sich in diesem Jahr Gaukönigin nennen. Ihre Ritterinnen sind Britta Schenk und Martina Swars (beide Mainbernheim). Der neue Jugendkönig des Gaues ist Jakob Hertwig (Kleinlangheim). Jonas Söhlmann (Dornheim) und Lucas Körting (Dettelbach) sind seine Ritter.

Bei der Damenjugend holte sich Viktoria Oppel (Füttersee) die Krone, gefolgt von Alyssa Mayle (Iphofen) und Lenz Gampel (Füttersee). Auch beim Auflageschießen wurde ein König herausgeschossen, in der Disziplin allerdings nicht nach Geschlecht differenziert. Ursula Feindert aus Stierhöfstetten lieferte hier das beste Ergebnis ab. Zweitplatzierter ist der ebenfalls aus Stierhöfstetten stammende Matthias Feindert, Dritter wurde Heidi Zippel (Obernbreit).

Gauschützenmeister Siegfried Weinig hatte auch Urkunden und Ehrenzeichen für langjährige Mitglieder dabei. Seit 40 Jahren dabei sind Fred Grimm, Fred Gutjahr, Rainer Guckenberger, Stephan Klotz, Hermann Kohles, Rolf Landeck, Günther Lannig, Maria Lewandowski, Michael Ott und Helmine Wehr.

Für 25 Jahre geehrt wurden Marc-André Behrendt, Ursula Falkenstein, Helga Lannig, Martin Schmer, Peter Schwab, Yvonne Stöckl und Rudolph Will.