Ein Hackschnitzel-Heizwerk für die Grundschule und das Haus für Kinder in Prichsenstadt, mit Anschluss des TSV-Sportheimes, dem Gebäude Luitpoldstraße 9 (Apotheke) und dem Rathaus – mit diesem Antrag sorgten fünf Ratsmitglieder für eine intensive Debatte im Stadtrat von Prichsenstadt am Donnerstagabend. Antragsteller war Michael Eckhoff, unterstützt von Christoph Schmitt, Pascal Zörner, Harald Rückert und Alfons Saugel. Die Stadt verfüge über 390 Hektar eigenen Wald mit einer daraus resultieren Handlungspflicht. Die Ausgaben aus der klammen Stadtkasse könnten, so der Antrag, durch weniger Ausgaben bei der Gasheizung der Schule gegengerechnet werden. Beantragt war auch, dass das Geld in den Haushalt eingestellt und das Heizwerk nächstes Jahr gebaut wird, alternativ als Betreibermodell mit einer maßgeblich beteiligten Stadt. Die Verwaltung soll eine Informationsfahrt zu vergleichbaren Heizwerken anbieten und in der kommenden Sitzung eine Liste mit "nachweisbar erfahrenen Planern" vorlegen.

Das Unterfangen, die derart vorgepreschten Ratskollegen wieder einzufangen, teilten sich die verbliebenen sieben Räte und eine Rätin (Susanne Karb) redlich untereinander auf. Der Tenor war ein "nicht schlecht, aber", mit Betonung auf "aber". Die Heizung der Schule, so Bürgermeister René Schlehr, sei vor 20 Jahren für 80.000 Euro von Öl auf Gas umgestellt worden, liefe immer noch problemlos im vom Kaminkehrer bestätigten "tadellosen Zustand, mit hervorragenden Werten auch im Abgasbereich und wird auch den neuen Anbau versorgen". Schlehr vermisste im Antrag eine genaue Stelle, wo das Heizkraftwerk gebaut werden solle, da östlich der Schule keine städtischen Grundstücke seien. Ein Anschluss der Gebäude in der Stadt sei problematisch wegen des neu gestalteten Außenbereiches der Schule und einer problematischen Querung des Beibaches wegen einer Eigentümergemeinschaft. Die finanziellen Aufwendungen seien nicht absehbar und dürften bis zum Haushalt 2023 auch nicht bekannt sein. "Wir sollten vor einer Entscheidung bei der ÜZ Lülsfeld eine Machbarkeits- und Variantenstudie beauftragen, denn solange fischen wir im Trüben", eröffnete er eine intensive und sachliche Debatte.

Pro und contra Hackschnitzel-Heizung

Harald Rückert brachte den Neubau der Schule in Oberschwarzach ins Gespräch, "deren Hackschnitzel-Heizung ist total wirtschaftlich". Er rechnete den vermuteten Anstieg des Gaspreises für die kommenden Jahre hoch, "da ist eine Hackschnitzel-Heizung in fünf, sechs Jahren bezahlt". Wald stünde genug zur Verfügung, und in eine solche Heizung könne man auch Totholz "reinhauen". Christoph Schmitt thematisierte das Energie-Effizienz-Netzwerk, in dem Prichsenstadt Mitglied ist, und auch da könne wegen einer solchen Heizanlage nachgefragt werden. In Dettelbach, fügte Werner Hillger hinzu, seien mehrere große Gebäude an solche Heizungen angeschlossen. "Wir haben aber keine große Mehrzweckhalle und auch kein Schwimmbad, das geheizt werden muss", so Schlehr.

"Holz im Wald sind noch lange keine Hackschnitzel", brachte der Forstexperte Wolfgang Brosche ein. Der Wald habe stark gelitten, "so viel gibt er nicht mehr her". Zudem bräuchte es Lagerplätze am Wald sowie einer Lagerhalle zum Trocknen, "das sind weitere Kosten, angesichts steigender Holzpreise sollten wir uns auch über Windkraft Gedanken machen". Und Susanne Karb will erst dann abstimmen, wenn zum einen ein Gutachten der ÜZ vorliegt (was laut Schlehr längstens drei Monate dauern dürfte) und zum anderen konkrete Zahlen für den Haushalt.

Ohne eine Studie oder das Gutachten könne niemand Konkretes entscheiden, war sich der komplette Rat einig. Deshalb stimmte er Schlehrs "Vorschlag zur Güte" zu, vor einer Entscheidung ein Gutachten bei der ÜZ in Auftrag zu geben und es spätestens in der Weihnachtssitzung zu besprechen. Bis dahin vertagte der Rat eine Abstimmung über die Beschlussvorschläge.