Im Mittelpunkt eines geistlichen Konzertes mit dem Lorenz-Bach-Chor unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann und der Begleitung eines Blechbläserensembles und von Michael Dorn an der Orgel standen am Samstag in der Martin-Luther-Kirche unter dem Motto "Ite missa est" zwei Messvertonungen der britischen Komponisten Christopher Tambling (1964 bis 2015) und Robert Jones (geboren 1945).


Lateinischer Entlassungsruf

Dekan Johannes Grünwald ging in Anwesenheit von Pfarrerin Anne Salzbrenner auf das Motto des Konzertes ein, der dem lateinischen Entlassungsruf der Messe "Geht!" oder "Geht, ihr seid gesandt" beziehungsweise in Verbindung mit dem Segenswunsch "Gehet hin in Frieden" entspricht.
Mit dem Einleitungsstück "Feierliches Halleluja" von Christopher Tambling brachte der Chor unter der Begleitung des Blechbläserensembles einen festlichen Willkommensgruß dar. Die vier Musiker Thorsten Reski und Raphael Wilm (Trompete) sowie Wolfram Seidel und Martin Hasselt (beide Posaune), die aus verschiedenen Orten Oberfrankens und Mittelfrankens stammen, spielten schon öfters in größeren Ensembles zusammen, bei diesem Konzert aber erstmals als Quartett. Der Organist Michael Dorn, Stadt- und Dekanatskantor an der Stadtkirche Bayreuth und kein Unbekannter in Lichtenfels, interpretierte mit "Vesper Voluntaries" ein Stück des englischen Komponisten Edward Elgar (1857 bis 1934) aus dem Jahr 1890, das aus einem Zyklus von in Liedform komponierten Miniaturen bestand.
Elgar hatte als bedeutender Vertreter der musikalischen Spätromantik einen beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung der englischen Musik. Mit der Orgelsonate II op. 65 von Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) zeigte Michael Dorn sein virtuoses Können. Der Bezug zu England wird dadurch erkenntlich, wenn man bedenkt, dass Mendelssohn bei seinen sieben Aufenthalten auf der Insel zahlreiche, begeistert aufgenommene Orgelkonzerte gab.


Die Bitte um Frieden

Das Kernstück des Konzerts bildeten aber die beiden Messvertonungen der britischen Komponisten, deren kirchenmusikalische Werke sich in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen. Grundlage der Messevertonungen ist bekanntlich die Liturgie der katholischen Messe. Diese besteht aus dem Kyrie ("Herr, erbarme dich"), dem Bittruf zu Beginn der Messe, dem Gloria, der Lobpreisung Gottes, dem Credo, also dem Glaubensbekenntnis, dem Sanctus und Benedictus, einem Hosianna auf die Allmacht Gottes und dem Agnus Dei mit der Bitte um Frieden.
Zunächst brachte der sehr gut von Klaus Bormann eingestimmte Lorenz-Bach-Chor die Missa brevis in D des walisischen Komponisten Robert Jones zu Gehör, die erst vor zwei Jahren uraufgeführt wurde. Zu einem besonderen Erlebnis wurde aber die Aufführung der Missa brevis in B von Christopher Tambling, deren spektakuläre Uraufführung im September 2014, ein Jahr vor dem Tod des Komponisten, durch 1400 Sängerinnen und Sänger beim Diözesantag der Kirchenchöre des Bistums Speyer in der Marienkirche zu Landau erfolgte. Die einzelnen liturgischen Teile der Messe wurden von den Mitgliedern des Lorenz-Bach Chores sehr innig und erhaben vorgetragen, begleitet vom Orgelspiel von Michael Dorn und wesentlich mitgetragen vom Bläserquartett, das teilweise den Chor mit sanften Tönen, aber auch mit einem gewaltigen Sound unterstützte.
Die leider nicht allzu vielen Besucher erlebten einen kirchenmusikalischen Abend auf hohem Niveau, bei dem sich solistische Orgelmusik sowie Vokal- und Instrumentalmusik zusammenfügten.