Ihren Widerstand gegen den Neubau eines Mehrfamilienhauses in direkter Nachbarschaft der Wehrkirche hat die evangelische Kirchengemeinde im Erlanger Stadtteil Kriegenbrunn aufgegeben. Wie Pfarrerin Barbara Eberhardt auf Nachfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärte, habe die Gemeinde in Absprache mit dem Landeskirchenamt die Klage gegen das Projekt zurückgezogen. Das Verwaltungsgericht Ansbach hatte einen Eilantrag abgewiesen und so ausführlich begründet, dass die beratenden Juristen die Chancen auf Erfolg als äußerst gering eingeschätzt hatten.

Angst vor Beschwerden

Die Klage hatte die Kirchengemeinde im Februar eingereicht, weil ihre Bedenken gegen das von der Stadt Erlangen genehmigte Wohnhaus für fünf Parteien nicht aus dem Weg geräumt waren. Die Gemeinde sah nicht nur die Abstandsgrenzen verletzt, sondern befürchtete, dass das Haus die Kirche verdecken und sich die künftigen Bewohner am viertelstündlichen Glockenläuten stören könnten.

Sorgen bereitet der Pfarrerin noch, welchen Einfluss das Gebäude langfristig auf die Kirchhofmauer haben könnte. Das Haus stehe nur 20 Zentimeter von der Mauer entfernt. Es seien zwar Vorgaben zur Verfüllung einer Fuge zwischen Hauswand und Mauer gemacht worden, aber man sei sich nicht sicher, ob der Bauherr sie eingehalten habe. Die Kirchengemeinde habe nun eine Bestandsaufnahme der Mauer machen lassen und wolle die Mauerkrone und einige schadhafte Fugen instandsetzen.

Denkmalgeschützte Mauer

Die Kirche St. Johannes, die von Resten einer früheren Wehrmauer umgeben ist, stammt schätzungsweise aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Die Mauer ist denkmalgeschützt und wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet. "Noch steht sie stabil und trocken. Aber was hier langfristig droht, wenn sich zwischen Mauer und Haus Feuchtigkeit sammelt, wissen wir nicht", meinte Eberhardt.

Nachbarn werden begrüßt

Trotz des Unmuts weist die Pfarrerin darauf hin, dass es die Kirchengemeinde begrüße, dass auf dem Nachbargrundstück Wohnraum geschaffen werde. Man hoffe jetzt auf gute Beziehungen zu den neuen Nachbarn. "Wenn sich schon das Gebäude nicht so wirklich in die Umgebung einfügt, vielleicht tun das dann zumindest die Menschen", so die Pfarrerin. epd