Am kommenden Sonntag, 4. Oktober, feiert Ziegelerden das 70-jährige Kirchweihjubiläum seiner St.-Michaels-Kirche. Wegen der Corona-Auflagen können keine größeren Veranstaltungen durchgeführt werden. Gerade der FSV Ziegelerden hatte in den vergangenen Jahren zur Kirchweih zahlreiche Aktivitäten unternommen, die heuer leider entfallen müssen.

Seit vielen Jahrzehnten gehört aber das Kirchweihständchen des Musikvereins, der am Vortag durch die Straßen zieht und mit seinen Musikstücken erfreute, in Ziegelerden zur guten Tradi-tion und soll auch in diesem Jahr wieder stattfinden. Der Kirchweihgottesdienst am Sonntag um 9.15 Uhr wird von Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber zelebriert. Traditionell wird in Ziegelerden zur Kirchweih auch das Erntedankfest gefeiert, zu dem der örtliche Gartenbauverein, der mit dem Gottesdienst auch seiner verstorbenen Mitglieder gedenkt, den Erntedankaltar liebevoll gestaltet. Dennoch könnte in diesem Jahr für die St.-Michaels-Kirche noch ein großer Höhepunkt stattfinden, denn Erzbischof Ludwig Schick hat für den November seinen Besuch angekündigt.

Der Bau der St.-Michaels-Kirche in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die von großer Not der Bevölkerung gekennzeichnet war, stellte eine große Gemeinschaftsleistung der Ziegelerdener dar, die hierfür einen eigenen Kirchenbauverein gründeten, der noch heute besteht und bei der Pflege und dem Erhalt der Kirche aktiv ist. Von den Schulkindern bis zu den Älteren half damals jeder - wo er konnte - bereitwillig mit, das hochgesteckte Ziel eines eigenen Gotteshauses zu verwirklichen.

Am 29. September 1946 wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Dorfes, im Saal der Gaststätte Möckel, eine Messe gefeiert, und der Kronacher Stadtpfarrer Prälat Werthmann fasste den Entschluss, in Ziegelerden eine eigene Seelsorgestelle einzurichten. Die Idee einer eigenen Kirche kommt in Ziegelerden zum ersten Mal bei der Weihnachtsfeier im Jahre 1946 auf, bei der bereits für den Bau gesammelt wird. 1947 folgten dann die Gründung eines Kirchenchores und eines Caritasausschusses.

Die Gründungsversammlung des Kirchenbauvereins Sankt Michael Ziegelerden fand am 21. September 1947 unter der Leitung des damaligen Seelsorgers Pater Henning statt. Josef Schneider wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt, Vorstandsmitglied Josef Messelberger, damals Angestellter beim Stadtbauamt Kronach, erstellte in den folgenden Monaten kostenlos die Pläne für das Gotteshaus und übernahm später auch die Bauaufsicht.

Nur drei Jahre Bauzeit

Das Gotteshaus wurde 1949 weitgehend in Eigenleistung des Vereins mit tatkräftiger Unterstützung der Ziegelerdener Bevölkerung sowie Helfern und Gönnern aus den umliegenden Gemeinden errichtet. Die Bauzeit für die Kirche betrug, trotz der schwierigen Lage nach dem Zweiten Weltkrieg, nur drei Jahre. Nach den vorbereitenden Steinbrucharbeiten im Jahr 1948 im Dobersgrund konnten bereits im darauffolgenden Jahr Grundsteinlegung und Richtfest gefeiert werden. 1950 folgte dann die Weihe der Kirche durch Erzbischof Josef Otto Kolb.

Im Jahr 1953 ging der lang ersehnte Wunsch nach einer Kirchenglocke in Erfüllung. Diese wurde 1980 um drei weitere Glocken ergänzt. 1959 erhielt die Kirche eine moderne, herrlich klingende Orgel und 1984 wurde die Anschaffung von Turmuhren durchgeführt.

Herausragend ist auch, dass der Kirchenpfleger und Vorsitzender des Kirchenbauvereins, Armin Herbst, diese Ämter seit 1978, also 42 Jahre lang und somit mehr als die Hälfte der Kirchengeschichte, innehat.

In den letzten Jahrzehnten standen bereits größere Reparaturarbeiten am Gotteshaus an, und so wurden das Dach, die Fenster und die Orgel erneuert bzw. überholt. Vor zwei Jahren, ebenfalls zur Kirchweih, erstrahlte der Innenraum der St.-Michaels-Kirche in neuem Glanz nach einer neuen Gestaltung und Beleuchtung des Innenraums, die den Altarraum und das Kreuz in gelungener Weise hervorheben. vz