Die Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln stehen vor einem Problem: Der vereinseigene See in Hochstadt ist voller Algen. Das erschwert nicht nur das Angeln vor Ort, sondern könnte schwerwiegende Folgen haben. Nach Aussage von Dieter Geyer, dem Vorsitzenden der Sportfischer, droht der See umzukippen.

Die Algen produzieren bei Tageslicht Sauerstoff, den sie bei Dunkelheit wieder verbrauchen. Werden die Tagesabschnitte mit Sonnenlicht kürzer, fehlt den Wasserpflanzen der nötige Sauerstoff. "Sie gehen dann schlagartig kaputt", erklärt Geyer. Das Verwesen einer Alge verbraucht wiederum Sauerstoff – der fehlt dann im See. Ein solcher Mangel könnte diesen umkippen lassen. Sollte das tatsächlich geschehen, würden nicht nur die Fische verenden, sondern die komplette Wasserfauna würde absterben.

Ganz so weit ist es am Hochstadter See zwar noch nicht, das Problem scheint jedoch real. "Die Gefahr, dass der See umkippt, ist gegeben", teilt Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamtes Lichtenfels, auf Nachfrage mit. Matthias Trau vom Wasserwirtschaftsamt Kronach glaubt indes nicht, dass es soweit kommen wird: Aufgrund der abnehmenden Lufttemperaturen würden auch die Wassertemperaturen sinken, wodurch sich der Sauerstoffgehalt und die -sättigung deutlich verbessern sollten, erklärt er.

Künstliche Umwälzung

Um eine Verbesserung auf künstlichem Weg zu erreichen, waren die Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln bereits aktiv: Grosch erklärt, "dass der Angelsportverein in seinem Seebereich bereits seit mehreren Jahren vom Frühjahr bis in den Herbst eine Pumpe betreibt, mit der das sauerstoffarme Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt und somit das Wasser umgewälzt wird." Das führe zu einer Stabilisierung des Sauerstoffgehalts. In den Jahren zuvor sei es nach Kenntnis des Landratsamtes nie zu Sauerstoffproblemen gekommen. Dem stimmt Geyer zu: "Bis Ende Mai war unser Baggersee top."

Auch was die pH-Werte anging, habe es bis dahin keine Auffälligkeiten gegeben. Anschließend sei der Wert des Gewässers jedoch häufig über neun gestiegen, wie die Sportfischer mitteilen. Aus gewässerökologischer Sicht sollte er jedoch zwischen sechs und neun liegen, teilt Grosch mit.

Überlegungen zur Verbesserung

Um die Gewässerqualität zu verbessern, gab es einige Überlegungen: Während eines gemeinsamen Ortstermins im Sommer diskutierten die Verantwortlichen des Landratsamtes, die Sportfischer und Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes sowie des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beispielsweise das Einbringen von Branntkalk (Calciumoxid). Aufgrund der hohen Temperaturen war diese Maßnahme jedoch keine Option – für die Zukunft ist sie allerdings geplant. Das Calciumoxid binde das frei im Wasser verfügbare Phosphor und entziehe es der Nährstoffkette, erklärt Trau. "Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe, der für die Algenblüte verantwortlich sein kann."

Zudem gab es auch die Idee, dem Hochstadter Baggersee sauerstoffreiches Mainwasser zuzuführen. Nach Aussage von Andreas Grosch lehnte das Wasserwirtschaftsamt diese Maßnahme ab. Unter anderem, weil der Main selbst nährstoffreiches Wasser führe, das die Algenausbreitung begünstige. "In der Zuführung des Wassers aus dem Main wurde daher keine Verbesserung der Situation im Baggersee gesehen, dies würde höchstens zu einer Verschlechterung der Situation im Main selbst beitragen", fügt Grosch hinzu.

Algenproblem in anderen Seen

Mit dem Algenproblem ist der Hochstadter Baggersee aber nicht allein: Eine ähnlich starke Algenblüte sei im Jahr 2020 auch in anderen Gewässern der Umgebung aufgetreten, betont Matthias Trau. "Allgemein hängt das Algenwachstum von den verfügbaren Nährstoffen im Gewässer ab. Baggerseen sind in unserem Gebiet, wie Main und Rodach auch, natürlicherweise nährstoffreiche Gewässer." Weil die Baggerseen zumeist nur wenige Meter tief sind, habe die Sonne sie bis zum Grund belichtet und aufgewärmt. "Somit lagen in den vergangenen Wochen für Algen ideale Wachstumsbedingungen vor", schließt Trau seine Erklärung.

Als Grundstückseigentümer sind die Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln und das Wasserwirtschaftsamt Kronach unterhaltspflichtig. Die möglichen Maßnahmen seien also von deren Seite umzusetzen, erklärt Andreas Grosch.

Die Sportangler wissen das – der Verein setze alles daran, den See zu retten, betont Geyer.