Hurra, die Kindergärten haben wieder geöffnet! Dabei waren sie eigentlich nie richtig geschlossen, zumindest für die Jungen und Mädchen, welche die Notbetreuung nutzten. Im Paul-Gerhardt-Kindergarten war die Auslastung in der Notbetreuung hoch, was vermutlich auch den langen Öffnungszeiten geschuldet war. "Wirklich leere Räume gab es bei uns nicht", erzählt Leiterin Monika Hoffmann.

Schlimm sei es für die Kinder gewesen, die nicht kommen konnten. "Wir hatten öfters Videomeetings mit den Kindern zu Hause, was aber auch dazu führte, dass die Kleinen richtig gelitten haben, weil sie nicht mit ihren Freunden in der Notbetreuung spielen konnten." Man habe den Drang nach sozialen, gleichaltrigen Kontakten regelrecht gespürt.

"Als dann alle wieder in den Kindergarten kommen durften, gab es einige Freudentränen", sagt Monika Hoffmann. Auch Polina, Lenija, Mia und Magdalena, allesamt fünf Jahre alt, waren froh, wieder gemeinsam "Vater, Mutter, Kind" oder anderes spielen zu können. "Zu Hause habe ich meist mit Mama gespielt", berichtet Lenija, die nicht in die Notbetreuung ging. Jetzt genießt sie es, die vielen anderen Kinder wieder um sich zu haben.

Manche Eltern sind sehr vorsichtig

Dabei sind noch nicht einmal alle wieder zurückgekehrt. "Der eine hat Schnupfen oder Husten, andere sind im Urlaub, manche Eltern sind auch noch ganz vorsichtig", erklärt die Leiterin der zur Die Kita gGmbH gehörenden Einrichtung in Weiher.

Mussten im vergangenen Jahr die Spielbereiche im Garten je nach Gruppe noch durch Flatterbänder voneinander getrennt werden, dürfen sich die Kinder aktuell wieder frei im Garten und im Haus bewegen. Sollte es künftig wieder zu pandemiebedingten Einschränkungen kommen, will der Kindergarten durch altershomogene Gruppen gewappnet sein. "Aktuell haben wir bereits aus ursprünglich drei Gruppen eine vierte Gruppe gebildet, die nur aus Vorschulkindern besteht", sagt Monika Hoffmann. Das habe den Vorteil, altersgerecht mit den Kindern arbeiten zu können.

"Stolz wie Bolle"

"Neulich haben wir zum Beispiel zum Thema Menschenrechte diskutiert: Was ist Wahrheit, was ist Gerechtigkeit? Das kann ich in einer gemischten Altersgruppe nicht so gut durchziehen." Dass sie jetzt die Gruppe der Großen sind, mache die Vorschulkinder zudem "stolz wie Bolle."

Gerne würde Monika Hoffmann ihren Kita-Kindern wieder ohne Maske gegenübertreten, "erst dann ist das für mich ein Regelbetrieb". Die Erzieherinnen würden regelrechte Gesichtsgymnastik veranstalten, damit das Gegenüber weiß, was gemeint ist. "Kinder reagieren viel auf Stimme und Augen, ich würde sie gerne mal wieder anlachen." Was bei den Kindern hängengeblieben sei, sei auch die Frage danach, was man dürfe. "Darf ich jetzt wieder in diesen Raum?", fragen viele, denn in der offenen Arbeit dürfen sie normalerweise alle Spielbereiche gruppenübergreifend nutzen. "Ist das jetzt wieder erlaubt?" Diese Verbote seien stark in den Kinderköpfen verankert. Mit Verboten zu erziehen, das sieht Monika Hoffmann jedoch kritisch. "Kinder müssen vielmehr ein Gespür dafür entwickeln, wo eine Grenze überschritten wird, da muss ich kein Verbot aussprechen."

Eine andere Sache, welche die Kinder verinnerlicht hätten, sei das Händewaschen. Das bestätigt auch Elke Engelbrecht, Leiterin des Awo-Kindergartens "Fantasia - Haus des Kindes". "Vor allem, wie man richtig die Hände wäscht", sagt sie. Darüber hinaus hätten sich in den letzten Monaten weniger Viren und Krankheiten im Haus durch die Hygienemaßnahmen verbreitet, Scharlach, Magen-Darm-Infekte oder Hand-und-Fuß-Krankheit hätten sich minimiert. "Unser Hygienekonzept sieht vor, jeden Tag das Spielzeug zu desinfizieren", damit verbringen die Erzieherinnen etwa eine Stunde täglich. Auch der bürokratische Aufwand sei für die Leitung gestiegen. "Wir müssen täglich die Kinderzahl melden, ein Mal pro Woche auch die Selbsttests."

Zwei volle Ordner

Was jetzt nach Beendigung der Notbetreuung weggefallen sei, sei die Meldepflicht der Eltern, "zwei volle Ordner habe ich hier stehen". Schon alleine wegen der Beitragsrückerstattung muss Elke Engelbrecht die Unterlagen aufheben, denn in Bayern durften die Eltern, deren Kinder die Einrichtung nicht oder nur an maximal fünf Tagen im Monat nutzten, eine Beitragsrückerstattung fordern.

Die Kinder haben sich auch im "Fantasia" wieder schnell eingelebt, obgleich einige sogar die Ruhe und die Zuwendung in der Notbetreuungsphase vermissen. "Ich mag es, wenn die anderen Kinder wieder da sind, aber es ist auch viel lauter", meint etwa der siebenjährige Nico. Er besucht die Hortgruppe im Kindergarten, ebenso wie Justus (7), Florian (8) oder Tudor (8). "Wenn mir zu Hause langweilig ist, dann lese ich gerne", sagt Tudor, "aber ich bin schon froh, wieder meine Freunde zu sehen." Besonders gerne spielen die Jungs gemeinsam Lego. "Wir bauen Fahrzeuge, Häuser, das macht einfach mit Freunden mehr Spaß als alleine zu Hause", ergänzt Florian.

Die Hortkinder hätten sich an die Masken gewöhnt, die sie tragen müssen, wenn sie im Haus unterwegs sind, in der Gruppe dürfen sie sie abnehmen. Sie würden auch häufig darauf achten, Abstand zu halten, "Rutsch mal" höre man schon öfter.

"Wir hoffen jetzt insbesondere für unsere Vorschulkinder, dass noch mehr Normalität entstehen kann", sagt Elke Engelbrecht und verweist dabei auf Angebote wie den Schnupperunterricht. Die Kinder hätten viel verpasst, sie bräuchten wieder Struktur. "Vielen tut es gut, wieder in den Kindergarten zu kommen -und ich genieße es ehrlich gesagt auch, wieder mehr Leben im Haus zu haben", sagt die Leiterin. Die sozialen Kontakte seien wichtig - oder, anders ausgedrückt: "Kinder brauchen eben Kinder."