Yvonne Freytag hat sich bewusst dafür entschieden, der Trauer einen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Sie hat sich zur Trauerbegleiterin weiterbilden lassen und hilft bei Lacrima, dem Trauerzentrum der oberfränkischen Johanniter, Kindern und Jugendlichen einen Weg durch ihre Trauer zu finden.

Die jungen Menschen, die bei Lacrima betreut werden, haben eines gemeinsam: Sie müssen ihr Leben nach dem Tod von Mutter oder Vater, Bruder oder Schwester weiterleben. Der Weg, den sie dabei zurücklegen, ist jedoch ganz individuell.

"Für jeden, besonders aber für Kinder und Jugendliche, ist es schwer, den Tod einer Bezugsperson zu verstehen, zu verarbeiten und zu akzeptieren. Umso wichtiger ist es, im jungen Alter einen individuellen Weg des Abschieds und der Trauer zu finden, der einem die Angst vor dem Tod und den Schmerz ein wenig nimmt", erzählt Yvonne Freytag.

Geschützter Ort

Die 26-Jährige hat als Jugendliche selbst den Tod eines Angehörigen erlebt. Im Rückblick empfindet sie den Umgang mit dem Thema in ihrer Umgebung positiv, doch sie erlebt oft, dass es meist anders ist: "In unserer Gesellschaft ist der Tod leider noch ein großes Tabuthema, sodass es vielen Familien schwerfällt, die Trauer zuzulassen, ihr Raum zu geben, sie offen zu zeigen und somit einen Umgang mit ihr zu erlernen oder auszuprobieren."

Auch das will Lacrima ändern: "Ich habe Lacrima als einen geschützten Ort und eine Gemeinschaft kennengelernt, die Kindern sowie Eltern Halt und Orientierung in dieser Zeit anzubieten versucht." Deswegen hat sie entschieden, sich bei Lacrima ehrenamtlich zu engagieren und die Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu absolvieren.

Bereits 2018 hat die Psychologiestudentin begonnen, das Team bei den Gruppenstunden in Kulmbach zu unterstützen. Alle zwei Wochen treffen sich Kinder in Kulmbach und Bayreuth und bald auch wieder in Bamberg zu ihren Lacrima-Gruppenstunden. Dort gibt es feste Rituale, wie die Kerzenrunde am Anfang der Stunde, bei der ein Licht für die Verstorbenen angezündet wird, aber auch Raum für Gespräche, zum Basteln, Spielen und Toben.

"Jede einzelne Stunde ist etwas Besonderes und zeigt, wie unterschiedlich man sich dem herausfordernden Thema Trauer annähern kann. Es sind die Kinder, die mit ihren Erzählungen, Emotionen, Bedürfnissen und ihrer Fantasie, die die Dynamik der Stunde prägen. Die Perspektive der Kinder bringt mich und meine Teamkolleginnen als Erwachsene immer wieder aufs Neue zum Hinterfragen und Nachdenken", so die Ehrenamtliche.

Kein "einfaches" Ehrenamt

Als ehrenamtlicher Begleiter oder als ehrenamtliche Begleiterin darf man keine Angst davor haben, die Kinder aktiv in diesen Prozess mit einzubeziehen, sie in ihrer Trauer zu sehen und zu begleiten - auch wenn sich die Trauer bei Kindern oft ganz anders zeigt, als es sich Erwachsene vorstellen.

Ein "einfaches" Ehrenamt hat die 26-Jährige mit Lacrima nicht gewählt, aber auf jeden Fall eines, das sie auch persönlich weiterbringt. Und natürlich berühren sie auch die Schicksale der Familien. Das Team von Lacrima kümmert sich im Schnitt mehrere Jahre um die Betroffenen, bevor sie ihren Weg alleine weitergehen.

Wer Fragen zu den Lacrima-Gruppen oder zum Ehrenamt bei Lacrima hat, kann sich unter

der Nummer 0951/20879874 oder per E-Mail an lacrima.oberfranken@johanniter.de an das Team von Lacrima wenden. Nähere Informationen gibt es außerdem unter www.johanniter.de/oberfranken/lacrima. red