Herzogenaurach — Seit Jahren stehen beim Heimatverein Fahrradtouren zu historisch wertvollen Kirchen in der Region im Jahresprogramm. Nach Hannberg, Büchenbach, Kriegenbrunn und Münchaurach führte eine Exkursion diesmal zur St.-Kilians-Kirche nach Kairlindach. Karl-Heinz Hertlein, Mitglied des örtlichen Kirchenvorstands, leistete bei der Führung durch das Gotteshaus wertvolle Hilfe.
Im Zuge der Missionierung und Christianisierung ist in Kairlindach wohl schon im achten Jahrhundert vom Bistum Würzburg ausgehend (daher die Verehrung des hl. Kilian) ein Gotteshaus in Form einer Chorturmkirche entstanden. Vor der Reformation war Kairlindach wohl eine Filiale von Büchenbach.
Nach dem großen Bauernkrieg von 1525 wurde im Seebachgrund teilweise die Reformation eingeführt. Kairlindach wurde evangelisch und erlebte in 400 Jahren seit 1575 genau 36 namentlich bekannte Pfarrer. Der bekannteste war wohl der "Held im Kirchenrock", Pfarrer Veit (Vitus) von Berg, der im Schloss in Birnbaum wohnte und den Aischgrund bis nach Kairlindach kirchlich versorgte. Den Heimweg von Kairlindach hätte er einmal beinahe mit dem Leben bezahlen müssen, wäre nicht eine Flintenkugel in einem Tagebuch mit Aufzeichnungen über kirchliche Handlungen in seiner Brusttasche stecken geblieben.

Langhaus ist erst 100 Jahre alt

Der 30-jährige Krieg und Brände haben dem Gotteshaus zugesetzt. 1737/38 wurde der Turm aufgestockt und mit einer barocken Haube versehen. Doch erst vor dem Ersten Weltkrieg erhielt das Gotteshaus sein heutiges Gesicht: 1913 wurde das Langhaus in seiner heutigen Form geschaffen und mit neugotischen sowie Jugendstilelementen wie dem Engelkopf unter der Orgel ausgestattet. Aus dieser Zeit stammt das Altarbild als eine Kopie des Gemäldes "Heilige Nacht" von Antonio Allegri da Correggio; das Original befindet sich in der Gemäldesammlung im Dresdner Zwinger.
Weitere Kunstwerke im Chor der Kirche im "Kairlindacher Gelb" sind Epitaphien des Ritters Georg von Truchseß (Herren auf Neuenbürg; 16. Jhd.) sowie der Patrizierfamilie von Holzschuher und das steinerne Epitaph der Witwe Oberlender, die um ihren verstorbenen Gatten trauert.