Nach dem ersten Wettkampf 2017 in der Landesliga 1/LK2 musste die Mannschaft des TV Ketschendorf neu formiert werden, um sich trotz einer schlechten Ausgangslage in der Liga behaupten zu können. Die Parole für den zweiten Wettkampf in Illertissen konnte nur heißen: Wir packen das! Und dazu war mindestens der 5. Platz notwendig.
Mit "Wunsch-Platz" vier hätte man nach den Ergebnissen des Vorkampfes den Liga-Verbleib schon ziemlich sicher in der Tasche. Kann das gelingen? Oder muss die Mannschaft zum Liga-Verbleib am 21. Oktober in die Relegation nach Waging, um in einem "Alles-oder-nichts-Wettkampf" dem Abstieg in die Landesliga 2 zu entgehen?
Das erste Gerät für die TVK-Turnerinnen war Boden. Im direkten Vergleich hatten sie dieses Gerät mit dem TSV Penzberg zu meistern, der ihnen beim Vorkampf satte 3,25 Punkte abgenommen hatte.
Anna Rogler kam die schwere Aufgabe zu, als allererste Turnerin beginnen zu müssen und einen akzeptablen Grundstock zu legen. Anna rechtfertigte das in sie gesetzte Vertrauen und beendete ihre Kür mit 12,85 Punkten. Anna-Lena Bayersdorfer, die zweite TVKlerin am Boden, begann ihre Kür erstaunlich souverän, überdrehte dann aber ihren sehr hohen Salto rückwärts durch zu spätes Öffnen und konnte einen Sturz nicht mehr verhindern: Streichwertung.
Lisa Wachter konnte als dritte TVK-Turnerin mit 11,50 nicht zufrieden sein. Ein Highlight setzte die 13-jährige Lina Zimmermann, die bei einem Ausgangswert von 5,10 mit 13,20 Punkten die Beste des TVK war, und mit dieser Leistung am Boden sogar die drittbeste aller 53 angetretenen Turnerinnen.
Die als letzte auf die Fläche gerufene Maria Herrich-Schäffer konnte mit 12,90 Punkten das zweitbeste Resultat in die Mannschaft einbringen. Mit 50,45 setzten sich der TV Ketschendorf und der TV Planegg-Krailling am Boden punktgleich an die Spitze, und der TVK ging motiviert an das nächste Gerät.
Obwohl sich alle TVK-Turnerinnen beim Sprung unnötig Abzüge bei der Landung einhandelten, war Trainer Ernst Weitl mit den erreichten 50 Punkten mannschaftlich gesehen zufrieden, da es das drittbeste Geräte-Ergebnis war.
Maria Herrich-Schäffer war mit 12,60 die beste Springerin des TVK. Am Stufenbarren, immer ein starkes TVK-Gerät, wurde die angepeilte Marke von 50 Punkten nicht erreicht, allerdings auch von keiner anderen Mannschaft. Mit 49,65 konnte die TS Jahn München das beste Resultat für sich verbuchen, während die TVK-Mannschaft mit 48,95 nur 0,70 Punkte weniger turnte und im Geräte-Ranking Platz zwei erzielte.
Steffi Gleißner setzte sich mit der drittbesten Stufenbarren-Wertung von 12,50 Punkten hervorragend in Szene und war zusammen mit Maria Herrich-Schäffer das starke Gerüst der Mannschaft. Unübertroffen war der flüssige Vortrag von Herrich-Schäffer, für den das Kampfgericht mit 12,90 Punkten die höchste Wertung aller LK2-Turnerinnen notierte.
Abstieg aus der Landesliga 1, Relegation oder Liga-Verbleib, das war die bange Frage vor und auch noch während des Balken-Turnens. Ernst Weitl vom TVK-Trainerteam schickte mit Lisa Wachter eine erfahrene Turnerin als erste auf den Balken. Lisa turnte ohne Absteiger durch und beendete ihre Übung mit einem Auerbach-Salto in den sicheren Stand: 11,85 waren ein recht guter Anfang für die Mannschaft.


Der Druck wurde immer größer

Anna Rogler ging als zweite Turnerin an den Balken, patzte gleich beim Aufgang und "lieferte" die Streichwertung. Jetzt musste die erfahrene Steffi Gleißner unbedingt mehr liefern, was ihr bei zwei Absteigern aber nicht gelang und die Mannschaft arg in Bedrängnis brachte. Mit Lina Zimmermann musste als vierte Turnerin die Jüngste der TVK-Mannschaft ans Gerät. Aber auch Lina, auf dem Balken sonst so etwas wie eine sichere Bank, wurde mit dem Druck nicht fertig, ging einmal vom Gerät und blieb mit 10,55 hinter den Erwartungen zurück.
Nun musste Maria Herrich-Schäffer als letzte Turnerin ganz heiße Kohlen aus dem Feuer holen. Jetzt galt es Daumen drücken für Maria, aber in ihrer Haut mochte wohl in diesem Moment niemand stecken. Maria schaffte stolze 12,55 Punkte, war mit dieser Wertung drittbeste Balkenturnerin und in der Endabrechnung mit 50,950 Punkten die Zweitbeste aller Liga-Turnerinnen. Mit 193,40 Gesamtpunkten war erst einmal sicher, dass sich die TVK-Mannschaft gegenüber dem ersten Liga-Wettkampf um 11,25 Punkte sehr deutlich gesteigert hatte. Die Freude bei der Siegerehrung war riesig: 3. Platz für den TV Ketschendorf. ew