Zwei Männer in einer wichtigen Mission klopften am Mittwoch an die Rathaustür. Sie wollten, dass der Bürgermeister ihnen die Schlüssel herausgibt. Und, ganz wichtig: Sie wollten ihr "Regierungsprogramm" im Rathaus abgeben. In diesem steht die Forderung nach einer vernünftigen Verkehrsführung während der Straßenbaumaßnahmen in der Heldritter Straße. "Hier müssen die Narren ran, sonst wird das nichts", betonte Herbert Müller im Gewand und in der Funktion des Sitzungspräsidenten der Faschingsgesellschaft Bad Rodach. Mit ihm war Schatzmeister Lars Otto gekommen. Seiner Meinung nach gehört die Förderung des Tourismus sofort in die kompetenten Hände der karnevalistischen Schelme.

Herbert Müller und Lars Otto, die beiden wackeren Karnevalsrecken, nahmen die Rathaustür fest ins Visier und mussten am Ende doch unverrichteter Dinge abdrehen. "Das Rathaus war verriegelt und verrammelt", stellte Herbert Müller enttäuscht fest. "Wir hätten gern die Regierungsgeschäfte übernommen", ergänzte Lars Otto.

Als die Rathaustür auch nach einem weiteren Klopfen und kräftigen "Bommel, bommel, helau"-Schlachtrufen geschlossen blieb, griffen Müller und Otto zum letzten Mittel und sperrten kurzerhand den Zugang zur Bad Rodacher Machtzentrale mit Trassierband, um deutlich zu machen, dass an den Narren bis zum Aschermittwoch nichts vorbeiführt und nach dem Abrücken der "Truppen" keiner auf Idee kommt, das Rathaus zu betreten. Einen Passanten beeindruckte die Machtdemonstration doch so stark, dass er darauf verzichtete, sein Anliegen im Rathaus vorzubringen. Der Rückzug des Bürgers könnte auch daran gelegen haben, dass das Rathaus am Mittwoch geschlossen ist. mr