Seit Monaten bereiten sich Kinder in unseren Gemeinden auf "ihren" Weißen Sonntag vor, an dem sie zum ersten Mal im Gottesdienst an der Kommunion teilnehmen, also das Sakrament der Eucharistie in der gewandelten Hostie empfangen. Der Sonntag nach Ostern hat sich im Laufe der Zeit als Termin für die Erstkommunion etabliert, manche Gemeinden feiern ihn auch an anderen Sonntagen. Vielerorts spielt zu diesem Anlass die Blaskapelle, der Kirchenchor singt, die Gotteshäuser sind festlich geschmückt, die Kommunionkinder tragen Anzug oder weißes Kleid und sämtliche Gastwirtschaften sind für die anschließenden Familienfeiern ausgebucht - ein großes Fest für die ganze Kirchengemeinde. Der Name "Weißer Sonntag" rührt von den weißen Gewändern her, welche die erwachsenen Taufbewerber der frühen Kirche in der Osternacht bei ihrer Taufe und der anschließenden Erstkommunion erhielten.

Dieses weiße Gewand, als Zeichen dafür, in der Taufe neu geboren zu sein und zur Gemeinschaft der Christen zu gehören, hat sich am Weißen Sonntag in den weißen Kleidern der Mädchen oder in den mancherorts üblichen Alben erhalten. Heuer muss dieser Festtag aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Manche hoffen, bald wenigstens einen kleinen Gottesdienst mit den Kommunionkindern im engsten Kreis feiern zu dürfen. So verständlich dieser Wunsch ist, könnten wir in der derzeitigen Situation dieses Fest aber auch einfach mal anders betrachten: nämlich, dass alle zusammen Leben und Glauben feiern und sich dabei stärken lassen.

Oder um im Bild der weißen Gewänder zu bleiben: wie bei einer Neugeburt mit Gott an unserer Seite immer wieder neu anfangen zu können. So könnten wir nach Corona zusammen mit unseren Kommunionkindern neu anfangen: mit einem Weißen Sonntag, mit einem großen Fest der Gemeinschaft, des Glaubens und des Lebens. Bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen: Seien Sie behütet!

Susanne Lindner

Pastoralreferentin im Seelsorgebereich Coburg Stadt und Land