Manfred Wagner

"Eigentlich müsste man Ihnen eins draufbraten und Sie einige Monate ins Gefängnis sperren", empörte sich Strafrichterin Ilona Conver bei der Urteilsverkündung. Was die Gerichtsvorsitzende bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt auf die Palme brachte, war der wiederholte Versuch des ledigen Mannes (26), seine Ex-Freundin zum Sex zu nötigen. In diversen Internet-Chats hatte er der Mutter der gemeinsamen fünfjährigen Tochter geschrieben: "Kein Sex - kein Unterhalt!" Weil mit einer Gefängnisstrafe aber sein Job weg und dem Kind in keiner Weise geholfen wäre, kam der Mann wegen Verletzung seiner Unterhaltspflicht mit einer viermonatigen Bewährungsstrafe davon.
Wie Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft in seiner Anklageschrift vortrug, hat der im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld lebende Arbeiter seit Januar 2017 keinen Cent Unterhalt mehr geleistet. Was er bei seinem Arbeitslohn durchaus gekonnt hätte. Denn seit Anfang 2016 verdient er ein gutes Geld: Nachweislich seiner Gehaltsabrechnungen erhielt er in der Zeit zwischen Mai und Juli 2017 netto durchschnittlich etwa 2300 Euro.
Im Zeugenstand berichtete die Mutter (23), dass sie etwa drei Jahre mit dem Arbeiter befreundet gewesen sei. Als ihre gemeinsame Tochter Ende 2012 geboren wurde, lebten die beiden in einem gemeinsamen Haushalt zusammen.


Ins Frauenhaus geflüchtet

Etwa ein halbes Jahr später kam es zur Trennung. Dabei ging es alles andere als harmonisch zu, denn die junge Mutter flüchtete mit ihrem Baby erst einmal ins Frauenhaus. Inzwischen ist die Frau mit ihrem neuen Partner verheiratet.
Der Angeklagte stützte während der gesamten Verhandlung seinen Kopf auf den Arm und vermittelte einen eher gelangweilten Eindruck. Er bestritt die Vorwürfe nicht, sondern führte zur Begründung lediglich an, dass er nicht einsehe, dass er die Unterhaltszahlungen auf das Konto des Ehemannes der Kindesmutter leisten sollte.


Sexuelle Nötigung - Anklage?

Die Amtsrichterin wies ihn darauf hin, dass ihn dies nichts angehe: "Sie haben den Unterhalt zu zahlen, egal ob die Mutter ihre eigene Kontonummer oder die des Papstes oder die der Bundeskanzlerin angibt", stellte sie klar. Aus ihrer Sicht ist darüber hinaus offen, ob die Staatsanwaltschaft auch in Sachen sexueller Nötigung erneut ermitteln wird. Unter den drei Vorstrafen des Beschuldigten findet sich auch eine Verurteilung wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften.
Nachdem bei den bisherigen Verfehlungen immer Geldstrafen verhängt worden waren, forderte Özalp als Anklagevertreter nun erstmals eine Freiheitsstrafe von vier Monaten. Der rechtskräftige Richterspruch entsprach exakt diesem Antrag. Zusätzlich wurde als Bewährungsauflage festgelegt, dass der Verurteilte ab sofort den vollen Unterhaltssatz an die Kindesmutter leisten muss.


"Sehr schnell im Café Sandbad"

Kommt der Beschuldigte dieser Auflage nicht nach, drohte ihm die Amtsrichterin: "Dann wird die Bewährung widerrufen und Sie landen sehr schnell im Café Sandbad." Unter dieser schönen Bezeichnung ist das Bamberger Gefängnis bekannt.