Bamberg — E.T.A.-Hoffmann im E.T.A.-Hoffmann-Theater - und zwar als Ballettaufführung: Vom Genie des Multitalents inspiriert hat Alina Schagalina-Scheffler mit ihren Schülerinnen der Ballettschule "Arabesque" eine Trilogie auf die Bühne gebracht. Nach "Auf den Spuren des Bamberger Kapellmeisters" und "Bamberger Puppenmeister und seine Spielzeugkiste" zeigte sie vor kurzem den letzten Teil der Trilogie: "Kater Murr" in zwei Akten und 13 Szenen.
In dem Ballettspektakel versucht Schagalina-Scheffler ein menschliches Sittengemälde zu malen, das den Menschen des 21. Jahrhunderts in Bamberg charakterisiert. Der Kater erscheint, ähnlich dem klugen und lebenserfahrenen Hund Bergan za, in Bamberg, um den Stadtbürgern seine neuesten Erfahrungen zu berichten und um die Veränderungen im Stadtleben zu registrieren.
Einem Triumphwagen ähnlich landet die Zeitmaschine samt Kater Murr auf dem Grünen Markt, direkt am "Affentreff" neben dem "Gabelmann". Der vom Lärm betäubte Kater wird von den Passanten in den Stadttrubel hineingezogen und erlebt dabei so einiges. Als nächstes landet er in der Langen Straße und staunt über Akrobaten, die sich biegen wie Knetmasse, Magier und ihre Zauberei, Jongleure, Clowns und Feuerschlucker - denn er ist mitten in "Bamberg zaubert" hineingeraten.
Sich nach einer Erfrischung sehnend, führt Murrs feine Nase ihn ans Regnitzufer. Ach, wie schön ist es hier doch: Die Wellen des Flusses spielen Fangen, die Luft ist kühl und frisch. Dieses Elysium ist das Zuhause einer Froschkolonie. Sie hüpfen um den Kater herum und er freut sich, mit ihnen zusammen springen zu dürfen.
Auf seiner weiteren Entdeckungstour verwandeln sich niedliche Mäuse in kaltblütige Geschäftsfrauen, die wie Roboter hin- und hermarschieren. Zum Schluss bilden sie ein spitzes Dreieck - eine scharfgespitzte Beamtenfeder.
Es spricht sich in der Kleinbürgerstadt schnell herum, dass sich ein fremder Kater herumtreibt. Vielleicht ist er Mitglied einer terroristischen Organisation und plant ein Attentat oder er hat ohne Visum die Grenze überquert oder, was noch schlimmer wäre, er ist ein Schwarzarbeiter? Ein Team von Detektiven soll den Kater enttarnen. Dem Kater gelingt es, zu entwischen . . .
Hoffmann hat in seinen Werken die Enttäuschung über den technischen Fortschritt zum Ausdruck gebracht, weil der Mensch die Fähigkeit zum Denken und Fühlen verliert. Den Ausweg hat er in der Transformation negativer Ereignisse in die positive Welt der Kunst gesehen. Diesen Weg versucht auch Alina Schagalina-Scheffler zu gehen, und hofft, mit Hilfe der Choreographie, die ihre Schülerinnen auf der Bühne hervorragend umsetzen, die Herzen der Zuschauer für das Schöne und Erhabene zu öffnen. Es scheint ihr gelungen zu sein, wenn man dem großen Applaus als Indiz dafür nimmt. TJ/gg