Himmelkron — Fische aus der Region statt fernöstliche King Prawns mit Arzneimittelcharakter und asiatische Fischfilets mit Chemie: Die oberfränkischen Teichwirte arbeiten seit Jahren daran, heimische Fische zu vermarkten. Mit Erfolg, wie Peter Thoma, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, am Rande der Jahresversammlung in Himmelkron in einem Interview verrät.

Herr Thoma, welche Bedeutung hat die Teichwirtschaft in Oberfranken? Ist sie eine reine Nische oder tatsächlich ein wichtiges Standbein für viele Landwirte?
Thoma: Die Teichwirtschaft ist eine wichtige Säule der oberfränkischen Landwirtschaft, wobei die regionalen Unterschiede zu betrachten sind. Insgesamt wird in Oberfranken mit rund 1500 Tonnen Karpfen rund ein Viertel der bayerischen Produktionsmenge erzeugt. Da in Bayern wiederum ungefähr die Hälfte der gesamtdeutschen Produktion von 12 000 Tonnen beheimatet ist, erzeugt Oberfranken gut zwölf Prozent der deutschen Karpfen.
Aber auch bei den Salmoniden, also den verschiedenen Forellen- und Saiblingsarten, braucht sich Oberfranken nicht zu verstecken. Von den in Bayern produzierten 5000 Tonnen, die ungefähr ein Drittel der gesamtdeutschen Produktion ausmachen, werden gut 500 Tonnen in Oberfranken erzeugt.

Wie profitiert denn die Bevölkerung von der Arbeit der Teichwirte?
Als wichtigster Punkt ist hier die Frische anzuführen. Fische, die in der unmittelbaren Umgebung des Verbrauchers erzeugt wurden, praktisch ohne Lagerung und Transport frisch den Verbraucher zur Verfügung stehen, sind hochwertige Nahrungsmittel. Der Verbraucher braucht sich auch keine ökologischen Sorgen um Produktion und Transport zu machen.

Sind Teiche auch ökologisch von Bedeutung?
Ja, auch der ökologische Nutzen ist bedeutsam. Selbst intensiv genutzte Teiche stellen wichtige Biotope für Flora und Fauna dar. Dort lebt eine Vielzahl an Insekten, Amphibien und Reptilien, die es ohne den Teich dort nicht gäbe. Daneben haben Teiche eine wichtige Funktion im Wasserhaushalt, da sie als Wasserpuffer wirken, Starkniederschläge bremsen und Trockenzeiten ausgleichen können. Und auch der Erholungswert ist nicht zu vergessen.

Wie ist es zu erklären, dass noch immer so viele Menschen lieber zu King Prawns aus Malaysia und Pangasius aus Thailand anstatt zu Forellen, Karpfen oder Saiblingen aus der Region Oberfranken greifen?
Der Trend hat sich mittlerweile glücklicherweise gedreht. Es hat durch vielerlei Skandale und eine unermüdliche Aufklärungsarbeit durch die Fischerei , aber auch andere Gruppen wie dem WWF, ein Umdenken eingesetzt.
Der Verbraucher möchte keine King Prawns, die durch ihren Antibiotika-Gehalt schon Arzneimittelcharakter annehmen, gefrostete Fischfilets, die durch Chemikalien die Wasserhaltung eines Schwammes übertreffen oder vermeintliches Krebsfleisch mit den wohlklingenden Namen Surimi, das aus gepressten Fischproduktionsresten mit Farbstoffaufdruck besteht.

Was unternehmen die oberfränkischen Teichwirte denn, um den Menschen den Fisch aus Oberfranken so richtig schmackhaft zu machen?
Wir arbeiten seit Jahren massiv daran, den oberfränkischen Fisch ansprechend verarbeitet anzubieten. Besonders bei grätengeschnittenen Karpfenfilets ist ein gewaltiger Nachfragezuwachs zu verzeichnen. Aber auch andere weiterverarbeitete Produkte vom Forellenfilet, Forellenkaviar über Räucherware werden verstärkt nachgefragt.

Die Fragen stellte
Stephan Herbert Fuchs