"Es gibt viele solch schöne Orte in Marktgraitz", so Bürgermeister Jochen Partheymüller (BB-FWM) bei der kleinen Feier zum 300. Geburtstag der auf dem Schneeberg befindlichen Marienkapelle.

Im Volksmund wird das kleine Gebäude "Graatzer Kappel" genannt. Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten führen die Gläubigen seit Jahrhunderten dort hinauf, zum Beten, Rasten oder dem sprichwörtlichen Seelebaumelnlassen.

Italienischer Bauherr

Am Dachfirst ist die Jahreszahl 1720 verewigt. Gründer der Kapelle war wahrscheinlich ein italienischer Bildhauer, der mit Genehmigung des Bürgermeisters und Unterstützung des Pfarrers diese Kapelle erbaute.

Im Inneren hatte er die Kapelle mit einem Bild der "Maria Hilf" aus Stein versehen. Weder der Name des Bauherren noch der Grund für seine Anwesenheit in Marktgraitz sind bekannt. Man weiß nur, dass er nach jahrelangem Aufenthalt im Dorf plötzlich wieder verschwand.

Bei einem Feuer an den Osterfeiertagen im Jahr 1871 brannte das Innere der Kapelle völlig aus. Dabei wurde auch das Marienbild des Erbauers zerstört. Danach wurde die Kapelle wiederhergerichtet. 1978 erhielt sie von Pfarrer Leiß eine neue Marienstatue, die bis zum heutigen Tag in der Kapelle zu sehen ist.

Im Inneren der Kapelle steht auf der rechten Seite die Figur des Heiligen Laurentius, Schutzpatron der Kirche in Lettenreuth. Auf der linken Seite steht der Heilige Michael, der Patronatsheilige von Marktzeuln. Im Giebel befindet sich die Statue des heiligen Antonius von Padua, was auf den italienischen Künstler und Erbauer hinweist. Von ihm wurden auch die zwei Statuen des heiligen Johannes Nepomuk in Marktgraitz angefertigt.

Andacht mit Musikbegleitung

Mit dem alten Mariengebet, dem "Engel des Herrn", und der Marien-Litanei erging der Gruß der Gläubigen an die Gottesmutter. Die Feier hätte ursprünglich im Mai stattfinden sollen. Coronabedingt musste sie verschoben werden.

Bürgermeister Partheymüller freute sich, dass die Feier nun endlich stattfinden konnte. Es sei eine Freude, dass in einer nicht leichten Zeit dadurch wieder Momente der Normalität erlebt werden könnten. Er verwies darauf, dass nach dem Bestreben aller Beteiligten auch der fränkische Marienpilgerweg offiziell an der Kappel vorbeigehe, und wünschte allen Wanderern, Gläubigen und Pilgern eine erbauliche Zeit an der Marienkapelle unter den Linden. Musikalisch wurde die Andacht von der Blaskapelle Marktgraitz mitgestaltet.

Dank galt am Ende der Andacht Peter Michel für das Schmücken und Pflegen des kleinen Gotteshauses. Beschlossen wurde die Andacht mit dem großen Marienchoral "Segne, du Maria".

Darauf folgte der kurze Empfang, den das Gitarrenduo Silvia Wachter und Fred (Buddy) Mahr begleitete. Roland Dietz