Kann ein Auftakt unter solchen Umständen gelingen? Man saß in Reih und Glied, sechs Reihen quer, sieben Reihen tief. Sechs mal sieben machte 42 mögliche Zuhörer, wobei letztlich etwas mehr Stühle als Besucher da waren. Corona und Abstandsregeln bringen solche Dinge fertig. Doch das Programm und seine Ausführung waren überzeugend. Die Kammerkonzerte in Kloster Banz hatten mit dem Auftaktkonzert des Baem-Trio zur 31. Saison ein weiteres Highlight.

Der Kaisersaal hat schon viel gesehen und gehört. Aber Musik, die für Oboe, Horn und Klavier konzipiert wurde, selten. Dieser Musik nimmt sich das Baem-Trio an, das aus den Bamberger Symphonikern Swantje Vesper (Horn), Andrey Godik (Oboe) sowie der mehrfachen Preisträgerin nationaler und internationaler Klavierwettbewerbe, Inna Firsova, besteht. Doch eben diese Instrumentierung brachte mit sich, worauf der Künstlerische Leiter der Reihe, Achim Melzer, in seiner Begrüßungsrede hinwies: "Sie werden Komponisten hören, die nicht jedem geläufig sind." Und tatsächlich, wer kennt schon Heinrich Molbe? Oder Carl Reinecke? Oder gar einen mit lautmalerisch schon fast irreführendem Namen versehenen Franz Joseph Strauss? Alles Gewächse des 19. Jahrhunderts, was noch mehr für Jean-Michel Damase oder Francis Poulenc galt.

Ein Hauch von Eigenwilligkeit

Es sollte mit Molbe (1835 - 1915) beginnen, genauer gesagt: mit Heinrich Freiherr von Bach Molbe und mit seiner Air Arabe op. 77. Doch da war etwas von Eigenwilligkeit, was Firsova ihren Moll-Lagen am Klavier beigab. Eine Art von Doppeltönigkeit, etwas schwer zu Beschreibendes.

Auf diese Lagen setzte Vesper eine Melodie, die in ihrer Getragenheit und Abfolge aufhorchen ließ, enthielt sie doch ein Motiv, das für Sequenzen durchaus an Ennio Morricones Filmmusik aus "Es war einmal in Amerika" erinnerte. Kannte Morricone das? Immerhin ist die Musikgeschichte voller Querverweise, Anleihen oder Verbeugungen, die sich Komponisten in ihren Werken gegenseitig erweisen.

Wer bei Franz Joseph Strauss (1822 - 1905) auf einen Bayern tippte, der lag schon mal richtig. Der Mann war Oberpfälzer und einer der angesehendsten Waldhornvirtuosen seiner Zeit. Dass sein Onkel Türmer war und er so die Nähe zu Blechblasinstrumenten bekam, erwähnte Melzer. Doch dass er nebenbei auch der Vater von Richard Strauss war, ließ er unerwähnt. Auch er, Strauss, war eine bislang kaum gehörte Entdeckung des Tages.

Die Musik als Insel erfahren

Die vielleicht größte Entdeckung der Matinee könnte in der Sonate für Oboe und Klavier gelegen haben, die Francis Poulenc (1899 - 1963) der Nachwelt hinterließ.

Schon das Anspiel gelang Godik in ansatzlos gestalteten höchsten Tönen. Mit ihnen formte er die bewusst komponierten Momente der Zerrissenheit, die spürbar der Moderne zugehörig sind und von denen man glauben möchte, sie ergäben eine Verwandtschaft zwischen Impressionismus und Jazz.

Es war ein guter Auftakt, Corona hin oder her. Dass man in Abständen zueinander saß, sollte nicht weiter stören. So erfuhr man als Zuhörer die Musik zwar als Insel, aber ein Gemeinschaftserlebnis blieb es doch.