Wegen des unerlaubten Erwerbs und der Veräußerung von Betäubungsmitteln in 62 Fällen musste sich ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Zwischen April 2018 und Januar 2020 hatte der junge Mann laut Anklage insgesamt etwa 150 Gramm Marihuana gekauft. Zum Teil konsumierte er das Rauschgift selbst, er gab es aber auch in einer sogenannten Einkaufsgemeinschaft ab, in fünf Fällen sogar an einen Minderjährigen.

Da er die Mehrzahl der Delikte als Heranwachsender verübt hatte und der Jugendgerichtshelfer eine Reifeverzögerung bescheinigte, die den Angeklagten einem Jugendlichen gleichstelle, wurde der junge Mann nach dem Jugendstrafrecht verurteilt.

Vorsitzender Richter Christoph Berner wusste das umfassende Geständnis ebenso zu würdigen wie die Staatsanwaltschaft. Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung lautete schließlich sein Urteil.

Den von der Staatsanwaltschaft angeregten Warnschussarrest von einer Woche hielt Berner nicht für erforderlich. "Ich folge hier der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe", erklärte der Richter. Der Angeklagte habe durch eine ADHS-Diagnose keine einfache Kindheit gehabt, weiterhin sei seine Berufsausübung durch eine körperliche Beeinträchtigung erschwert. "Ein Warnarrest würde wohl mehr kaputt machen, der Angeklagte zeigt sich hier zudem schon von diesem Gerichtsverfahren sehr beeindruckt."

Seit seinem 14. Lebensjahr, so gab der Angeklagte an, habe er Marihuana konsumiert. Es habe die ADHS-Symptome gemildert. Auch habe er eine "schwere Phase der Motivationslosigkeit durchlaufen". Seit April 2020 habe er keine illegalen Drogen mehr konsumiert, lediglich einmal sei er rückfällig geworden, als er vor etwa zwei Wochen die gerichtliche Ladung erhielt. "Das zeigt mir, dass Sie die Sache emotional und psychisch noch nicht endgültig bewältigt haben", sagte Berner. "Die schädlichen Neigungen sind offensichtlich, daher sind wir der Ansicht, dass Sie ein Drogenverbot für die Dauer der Bewährungszeit von drei Jahren brauchen."

Der Angeklagte muss demnach acht Termine bei der Drogenberatung wahrnehmen. "Der Tatzeitraum war betrüblich lange, aber Sie haben jetzt Aussicht, eine Ausbildungsstelle zu erhalten und einem geregelten Tagesablauf nachzugehen", so Berner, der dem Angeklagten zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegte.