Jung müsste man noch einmal sein! Sätze wie diese kennen wir alle. Wenn wir sie sagen, denken wir oft mit einem etwas verklärten Blick zurück an unsere eigene Jugend. Doch die Erinnerungen prägen unser Bild von der Jugend und damit auch das, was wir über die Jugend heute denken. Wie eine Übertragung von damals ins Heute. Aber treffen unsere Vorstellungen auch wirklich zu? Was wissen wir Erwachsenen eigentlich über die Jugend von heute? Was denkt, fühlt und hofft sie? Was interessiert sie und was interessiert sie nicht? Alles nur WhatsApp, YouNow und Facebook? Das ist gewiss zu kurz gesprungen. Wann haben Sie sich zuletzt auf Augenhöhe mit einem jungen Menschen über sein Leben, seine Träume, seine Gefühle unterhalten? Zugegeben, manchmal ist das inmitten von Pubertät, Abgrenzung und der Frage "Wer bin ich?" gar nicht so einfach. Ich meine, hier kann ein biblisches Vorbild helfen, mit Achtung und Geduld ins Gespräch zu kommen: Jesus Christus selbst. Er hat auf Augenhöhe mit den Menschen geredet, jungen wie alten und Interesse an ihnen und ihrem Leben gehabt. "Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob." So lautet die Jahreslosung 2015.
Nehmen wir nicht nur erwachsene und alte Menschen an. Nehmen wir auch die Jugendlichen an. Nehmen wir sie ernst und fragen einmal nach dem, was sie denken und wollen, weil wir auch in ihnen unseren Nächsten erkennen. Haben wir die Zeit und das Ohr für sie, auch wenn es manchmal etwas schwierig oder anstrengend sein kann.
Wenn es gelingt, werden Sie feststellen können, dass "die Jugend" anders ist, als wir uns das so gedacht haben. Schillernd und vielschichtig. Engagiert und differenziert. Pragmatisch im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens und vor allem, anders als wir es waren. Als ich selbst zum Beispiel jung war, kamen Handys gerade erst auf den Markt. Ganztagsschule gab es keine und Worte wie Babo oder endteflon waren noch nicht erfunden.
All das ist heute anders, Jugendliche sprechen anders, nutzen alle möglichen Medien und haben Schultage, die genau so lang sind wie der Arbeitstag eines Erwachsenen. Ihr Leben ist oft komplex, schnell und herausfordernd. Die von uns Erwachsenen gestaltete Welt trägt das Ihre dazu bei. Nicht nur deshalb verdienen sie unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit. Wenn wir Jugendlichen etwas mitgeben wollen, dann geht das nur im Miteinander. Ein Überstülpen macht keinen Sinn und führt zu nichts. Also, nehmen wir einander an, zu Gottes Lob.

Diakon Martin Gläser ist Dekanatsjugendreferent und Geschäftsführer von ejott Coburg.