von unserem Redaktionsmitglied 
Miriam hegner

Küps/Coburg — Neun Jugendliche machen derzeit ihre Ausbildung zum Holzfachwerker in der Schreinerei der Jugendwerkstatt in Küps. Sie werden die letzten sein, die hier das Rüstzeug für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben bekommen: Mit dem Ende des laufenden Ausbildungsjahres wird die Jugendwerkstatt schließen.
"Die Zahl der jungen Leute, die bei uns lernen und arbeiten ist in den letzten Jahren stetig gesunken", sagt Karin Pfadenhauer, Geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks Kronach-Ludwigstadt/Michelau. 2009 waren noch 15 Jugendliche in der Werkstatt beschäftigt, 2011 zwölf, ab Herbst 2014 wären es nur noch vier. "Aufgrund der demografischen Entwicklung gibt es einfach immer weniger junge Menschen, die sich um Ausbildungsplätze bewerben. Unternehmen sind deshalb eher bereit, auch schwächere Schüler als Azubis einzustellen", erklärt Pfadenhauer.

Enormes Defizit zu beklagen

"Das ist zunächst einmal erfreulich, bedeutet aber auch, dass weniger junge Leute zu uns kommen. Die Personalkosten bleiben aber gleich." Zudem hätten sich die Förder-Richtlinen geändert, so dass nicht mehr genügend Mittel zu Verfügung stünden. Für 2014 rechnet das Diakonische Werk für den Bereich der Jugendwerkstatt mit einem Defizit von 343 000 Euro. 2015 wäre das Defizit voraussichtlich noch höher. "Das können wir nicht schultern, ohne fahrlässig zu handeln. Wir haben schließlich auch Verantwortung für unsere anderen Einrichtungen und deren Mitarbeiter", erklärt Pfadenhauer. "Wir bedauern die Schließung sehr, denn wir haben es immer als unseren Auftrag verstanden, Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, die sonst keine hatten. Aber sie ist leider unumgänglich."
Fünf der neun Jugendlichen, die in der Küpser Werkstatt ihre Ausbildung zum Holzfachwerker machen, werden diese im Sommer abschließen. Für die anderen vier, von denen drei aus dem Landkreis Coburg kommen, sucht das Diakonische Werk gemeinsam mit der Arbeitsagentur Betriebe, in denen sie ihre Ausbildung abschließen können. Fünf weitere Jugendliche, die in der Werkstatt die berufsvorbereitende Maßnahme "Arbeiten und Lernen" absolvieren, sind ebenfalls betroffen. "Einer hat allerdings schon eine Ausbildungsstelle gefunden", so Pfadenhauer.

Aus für Coburger Koch-Projekt

Mit dem Betrieb der Schreinerei in Küps endet auch das "Kochen an der Schaumberger Schule" in Coburg. Im Rahmen dieses Projekts machen elf Jugendliche, sechs davon aus dem Landkreis Coburg, eine Ausbildung zum Beikoch und sorgen für das Schul-Mittagessen. Es gab sogar die Idee, die Azubis auch für die Mensa in Neustadt kochen zu lassen. Doch auch hier haben sich laut Pfadenhauer die Förderbedingungen geändert, und das Projekt muss eingestellt werden. Vier der Azubis werden ihre Ausbildung noch abschließen können. Für die anderen sollen ebenfalls Lösungen gefunden werden, wie sie die Ausbildung fortsetzen können.
Für die betroffenen Mitarbeiter - zwei Schreinermeister, drei Sozialpädagogen, eine Verwaltungsmitarbeiterin und zwei Hilfskräfte - sollen ebenfalls andere Arbeitsplätze gefunden werden. Ein Teil der Mitarbeiter wird in anderen Einrichtungen des Diakonischen Werks Kronach/Ludwigstadt-Michelau unterkommen. Einer der betroffenen Köche hat selbst gekündigt, der andere scheidet aus, weil sein Zeitvertrag ausläuft. "Für die anderen suchen wir momentan Möglichkeiten bei anderen diakonischen und kirchlichen Trägern." Das Gebäude in der Kantstraße in Küps, in dem sich die Jugendwerkstatt befindet, wird weiterhin vom Diakonischen Werk genutzt werden.
Bereits 2012 war die Jugendwerkstatt in Niederfüllbach geschlossen worden, die ebenfalls zum Diakonischen Werk Kronach-Ludwigstadt/Michelau gehört.