Der Kulmbacher Historiker Wolfgang Schoberth referiert am Mittwoch, 29. Januar, um 19.30 Uhr im "Fichtelgebirgshof" Himmelkron, Frankenring 1, über die Geschichte der Kulmbacher Juden. Allerdings soll es nicht nur um die Vertreibung aus ihrem mittelalterlichen Wohnviertel im 15. Jahrhundert und um die Gräuel und Verfolgungen in der Nazizeit gehen, sondern auch um die Phase des freundschaftlichen, gut nachbarlichen Miteinanders. Es sind dies die Jahre von der Wiederbegründung einer Israelitschen Kultusgemeinde 1903 bis zur Schwelle von Hitlers Machtergreifung. Die damals etwa 30 Kulmbacher jüdischen Glaubens waren vom Stadtbild nicht wegzudenken. Als Betraum am Sabbat nutzten sie zwei Hotels in der Innenstadt, später das "Café Beyerlein". Der Burgkunstädter Distriktrabbiner Ezechiel Gotein war regelmäßig in Kulmbach. Er pastorierte die Gemeinde und erteilte zweimal in der Woche an der königlichen Realschule hebräischen Religionsunterricht. Beruflich waren die Juden je zur Hälfte Viehhändler und Inhaber kleiner Läden. Die Schuh-, Hut- und Textilgeschäfte galten in Kulmbach als besonders flexibel und leistungsfähig. Betrachtet man ihre Zeitungsinserate, waren sie an Chic und modischer Eleganz der Konkurrenz deutlich überlegen. red