Der frühere Chefarzt Josef Mawad feiert am heutigen Montag seinen 80. Geburtstag. Eine große Feier wird es nicht geben, er verbringt den Ehrentag im kleinen Kreis mit seiner Familie und wird auch nicht in Kulmbach sein. "Ich bin so stolz auf meine beiden Kinder Andrea und Michael, und natürlich werden auch die Enkel Ella und Ida dabei sein", verrät der Mediziner. Nicht nur wegen der Corona-Hygieneregeln, auch sonst ist großes Aufhebens Josef Mawad völlig fremd. Aus diesem Grund möchte er auch keine Geschenke. "Ich habe doch alles. Wenn jemand etwas geben möchte, dann bitte ich um eine Spende an die Kulmbacher Tafel", sagt Mawad.

Ursprünglich stammt er aus der syrischen Hafenstadt Latakia. Dort legte er an einer griechisch-orthodoxen Schule das Abitur ab. "1959 kam ich dann nach Deutschland. Ich wollte hier studieren", erzählt der Mediziner, der den Kulmbachern bis heute als stiller und empathischer Mann, der sich immer viel Zeit für seine Patienten genommen hat, in Erinnerung geblieben ist. Mawad lernte am Goethe-Institut Deutsch und studierte an der Ludwig-Maximilian-Universität; in dieser Zeit lernte er seine Frau kennen. Er arbeitete zunächst in München und Aibach, 1968 kam er als Medizinalassistent nach Kulmbach. Josef Mawad blieb in der Bierstadt, die für ihn längst zur Heimat geworden ist. Er wurde Facharzt, Oberarzt und 1981 leitender Arzt und Chefarzt der Inneren Abteilung.

Josef Mawad hat das Kulmbacher Klinikum in besonderer Weise geprägt. Er hat die flexible Endoskopie und Ultraschall eingeführt. "Das Klinikum war immer mein Leben. Ich saß oft am Bett der Patienten, auch nach Dienstschluss. Ich habe sehr gelitten, als ich in Pension ging. Mir haben die Patienten gefehlt, die Mitarbeiter im Klinikum, die Arbeitszeit", gibt er zu. Auch mit 80 Jahren erinnert sich Mawad noch an viele Patienten persönlich. Nicht immer ging es um spektakuläre Operationen, manchmal waren es "Kleinigkeiten" für den Arzt, die für die Patienten dennoch lebensrettend waren.

Nach dem Ausscheiden aus dem Krankenhausdienst hat Mawad an der Universität Bayreuth ein Geschichts-Studium begonnen. "In meiner Jugend habe ich nicht viel über die europäische Geschichte erfahren. Ich hatte wirklich ein Defizit." Mit 80 wird er das Studium jetzt aber dennoch an den Nagel hängen. Wegen des Corona-Lockdowns fand in den letzten Monaten nur die Hälfte der Vorlesungen als Präsenzveranstaltungen statt, die andere Hälfte online. "Aber mir hat die Universitätsatmosphäre gefehlt", erzählt Mawad.

Künftig will sich Mawad zu Hause weiter mit Geschichte beschäftigen, aber auch mit Musik. Vor allem die Klassik ist seine große Leidenschaft. Außerdem möchte er mit seiner Frau Elfriede noch viele Bildungsreisen machen. Auch mit 80 lernt Mawad jeden Tag noch etwas dazu, Lesen ist die große Leidenschaft des Mediziners, der inzwischen mehrere Bibliotheken in seinem Haus hat. "Lesen ist mein wichtigstes Hobby", sagt Mawad und hofft, dass er weiterhin bei guter Gesundheit bleibt. Sonny Adam