Gerade das Singen im Chor wurde seit dem letzten Jahr massiv ausgebremst. Diese Erfahrung mussten auch die Mitglieder des Gesangvereins Liedertafel Sonnefeld machen und vermissten ihre Singstunden als Präsenzveranstaltung schmerzlich. Von Auftritten ganz zu schweigen.

Dabei macht das Singen in der Gemeinschaft das Leben der Gesangvereine aus. Ebenso die Singstunden am Mittwoch, die nicht selten mit einem gemütlichen Beisammensein ausklangen, obwohl sich die Örtlichkeiten im Laufe der Jahre geändert haben. Auch wenn die gemeinsamen Proben und Auftritte vielen fehlen, ist das noch lange kein Grund, mit dem Singen aufzuhören. Viele Aktive aus dem Sonnefelder Chor singen seit Jahrzehnten und haben Spaß an ihrem Hobby und der Gemeinschaft unter dem Dach der Liedertafel.

Dass Singen allen Generationen Spaß macht, zeigt sich in der Tatsache, dass im Laufe der Vereinsgeschichte immer wieder Geschwister oder Elternteile mit ihren Kindern im Chor der Liedertafel singen. Das ist auch heute noch so, wenngleich es für die jüngere Generation viele andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gibt als vor rund 60 Jahren. Damals konnte es die Jugend kaum abwarten, mit in die Singstunde genommen zu werden, denn der Verein war für viele Jugendliche die einzige Gelegenheit, um sich am Abend mit Gleichaltrigen zu treffen und etwas länger wegzubleiben. "Als ich 1964 konfirmiert wurde und im gleichen Jahr die Schule beendet habe, haben mich mein Vater und mein älterer Bruder mit in den Verein genommen", erinnert Else Walther an ihre Anfänge als Aktive bei der Liedertafel. Seit 57 Jahren singt sie im Sopran des Chores und gehört somit zu den "Dienstältesten". Obendrein singt sie seit vielen Jahren im liturgischen Chor der evangelischen Kirchengemeinde.

Wie viele andere treue Sänger der Liedertafel auch, erinnert sie sich gerne an vergangene Tage und hat einiges erlebt. Damals war die Vereinszugehörigkeit gerade für die Jüngeren etwas Besonderes. Weil die älteren Aktiven den Ton angaben, konnten sich die "Jungen" erst im Laufe der Zeit ihren Platz im Chor sichern. Für viele der damals jungen Mädchen war Trude Eberwein, die eine besonders gute Stimme hatte und im Chor mitsang, ein Vorbild. Kein Wunder, dass ihr viele nacheiferten.

Um immer wieder gesanglich aus dem Vollen schöpfen zu können, nutzte Chorleiter Blümlein seine Möglichkeiten als Dorflehrer und forderte aus den Reihen seiner Schüler gute Sänger auf, in den Gesangverein einzutreten. Heute stehen hingegen viele Chöre vor der Herausforderung, etwas gegen die Überalterung zu tun, und haben es oft schwer, junge Menschen für den Chorgesang begeistern zu können. Auch der Sonnefelder Chor könnte insbesondere bei den Männerstimmen jüngere Sänger in der Altersspanne um die 40 bis 50 Jahre gut gebrauchen.

In der Zeit, als Jürgen Leifer Chorleiter war, nahm der Chor verstärkt und mit Erfolg an Wertungssingen teil. Unvergessen sind bei den treuen Mitgliedern darüber hinaus die Einsätze, die bis in den Frankenwald führten, ebenso die Ausflüge. Unter anderem wurde sogar mit dem Bus bis nach Verona gereist. Auch für die vereinsinterne Veranstaltungen legen sich die Mitglieder mächtig ins Zeug, um damit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

Für die Weihnachtsfeiern bereiten beispielsweise Mitglieder musikalische Beiträge, Geschichten oder Gedichte sowie manch andere willkommene Überraschung vor.

Singen befreit – immer

Singen befreit, nicht nur in dieser besonderen Zeit. Diese Erfahrung hat schon jeder Sänger gemacht, das können auch Christa Buckreus, die seit 60 Jahren singt, Jutta Jakob (43 Jahre), Gunda Keller (48 Jahre) und Uta Kessel (46 Jahre) bestätigen. Auch sie hoffen darauf, dass der Chor bald wieder vor Publikum singen kann und dass das geplante öffentliche Singen in der Gemeinde Sonnefeld am 3. Oktober möglich ist. ake