von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Vierzehnheiligen — Zum Ende des Kirchenjahres, am Sonntag vor dem ersten Advent, feiert die katholische Kirche die Königswürde ihres Erlösers. Höhepunkt des Christkönigfestes war ein Hochamt in der Basilika Vierzehnheiligen, das der stellvertretende Guardian des Franziskanerklosters, Pater Christoph Kreitmeir, zelebrierte. Der bekannte Orpheusmännerchor aus Erlangen unter der Leitung von Jochen Roth intonierte eindrucksvoll die Messe Nr. 5, Aux seminiaires in C, des französischen Komponisten Charles Gounod. An der Chororgel begleitete Claudia Miksch den Männergesang. Basilikaorganist Georg Hagel unterstrich an der Rieger-Orgel virtuos die Würde des Feiertags.
Auch im 21. Jahrhundert übten die gekrönten Häupter eine eigenartige Faszination auf sehr viele Zeitgenossen aus. Die Regenbogenpresse lebe fast ausschließlich von den Prinzen und Fürstenfamilien und den letzten Monarchen dieser Welt. "Was macht ihre Faszination aus?", fragte der Franziskanerpater. Die Macht könne es ja nicht sein, denn über reale Macht verfügten sie alle nicht mehr. Nein, es müsse etwas anderes sein: die Sehnsucht der Menschen, sich aus der Masse zu erheben und im Rampenlicht zu stehen. "Die gekrönten Häupter bieten ihnen eine Möglichkeit zur Identifikation", sagte er.
Ein Mensch könne sich hineinträumen in eine bessere Welt, in der er nicht mehr Otto Normalverbraucher und sie nicht mehr Lieschen Müller sei. Der König Jesus sei da wenig geeignet als Identifikationsfigur. Geschunden, mit zerschlagenem Körper, die Dornenkrone auf dem Kopf, einen Spottmantel umgehängt, so stehe er vor Pilatus und bekenne sich als König. "Und die Geschundenen unserer Tage? Die in den Gefängnissen und Todeszellen Inhaftierten? Die Gefolterten, ihrer Würde Beraubten?", fragte der Geistliche. In unseren Medien sei eher Platz für verirrte Wale als für sie. Pilatus wie die Machtbesessenen verstünden nicht, dass Jesus ein König der Ohnmacht und für die Ohnmächtigen sei. Aber: das sei auch unsere Chance, weil wir mit unserer Ohnmacht von ihm verstanden, gehalten werden, bei ihm Heimat finden. Bei ihm brauche man nicht im Nerzmantel daherzukommen, um anerkannt zu werden. "Er schenkt mir Würde und Anerkennung, so wie ich bin - und das gibt wirklich Kraft zum Leben", schloss Pater Christoph seine Predigt.