Die Suche nach einer Wohnung gestaltet sich für immer mehr Menschen als nahezu aussichtsloses Unterfangen. Nicht nur in Großstädten und Ballungszentren ist es kaum noch möglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Knapper Wohnraum und steigende Mieten treffen mittlerweile nicht nur Menschen mit geringem Einkommen. Auch Menschen aus der Mittelschicht spüren mittlerweile, dass bezahlbarer Wohnraum Mangelware geworden ist. Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Entgegen früherer Prognosen wächst die Wohnbevölkerung in Deutschland wieder. Entscheidende Ursachen sind auch der Verlust an Wohnungen mit Sozialbindung und der geringe Wohnungsneubau.

Wohnungsmangel greift tief in das Leben der Menschen ein. Einer Wohnung kommt eine große Bedeutung zu: Sie ist Rückzugsort und privater Lebensmittelpunkt. Sie schützt die Intimsphäre ihrer Bewohner, bietet Geborgenheit und Sicherheit. Nicht zuletzt ist sie eine wichtige Voraussetzung für soziale Teilhabe: Kinder spielen hier mit ihren Freunden, Verwandte und Bekannte werden eingeladen und bewirtet.

Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. Immer mehr Menschen erleben, dass sie nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt sind oder sie müssen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete und Wohnkosten verwenden. Dies bedeutet nicht nur soziale Härte und Frustration. Es geht um mehr: Wenn durch die Aufwertung eines Stadtteils einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen verdrängt werden, wirkt sich dies nicht nur auf die Lebensqualität der Menschen aus, sondern auch auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zusammenhalt kann nämlich nur da entstehen, wo Menschen aus unterschiedlichen Milieus, Kulturen, Nationen und Einkommensschichten sich selbstverständlich im Alltag begegnen. Wenn die Zusammensetzung von Quartieren aber zunehmend durch den Geldbeutel bestimmt wird, führt dies zu einem Auseinanderdriften von Milieus und schwächt so den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Anhand dieser Überlegungen wird die Tragweite des Jahresthemas der Caritas "Jeder Mensch braucht ein Zuhause" deutlich. Es gilt deshalb, politische und gesellschaftliche Ansätze zu entwickeln, die dieser Entwicklung entgegenwirken. Hier sind wir alle gefordert, damit jeder Mensch in einer angemessenen Wohnung leben kann.

Norbert Hartz ist Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Coburg.