Rettungsschwimmer Frank Brehm ist jeden Abend, wenn er sich auf den Heimweg macht, heilfroh, dass alles gut gegangen ist. Tödliche Badeunfälle wie kürzlich in Trebgast schärfen die Sinne. Und jede Minute des Tages ist die volle Aufmerksamkeit des Bademeisters gefragt.

Wenn Frank Brehm frühmorgens in sein traumhaftes Naturreich Waldbad kommt, hat er auch ohne Badegäste schon alle Hände voll zu tun. Mit dem Besen reinigt er den Strandbereich im Wasser von Ablagerungen, damit keiner ausrutschen kann. Alles wird inspiziert, bevor um 8 Uhr bereits die ersten unermüdlichen Schwimmer auf der Matte stehen. Bei derzeit 21 Grad Celsius ist es angenehm, vor dem Ansturm ein paar Bahnen zu ziehen. Das Waldbad ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, bei schönem Wetter auch schon mal bis 20 Uhr. Da ist man flexibel.

Aufpassen und viel arbeiten

Brehm ist seit 2013 Bademeister, hat die Nachfolge von Roland Müller angetreten, der aber auch als Rentner noch immer hin und wieder gern aushilft. Bei der Stadt Bad Rodach angestellt, ist es ein Job vom 15. April bis in den Oktober oder November hinein, eben bis das Wasser abgelassen ist, die Becken mit dem Hochdruckreiniger blitzeblank geschrubbt und auch die Außenanlagen nebst Sanitärgebäude winterfest sind. Instandhaltung, Reinigungs- und Aufräumarbeiten, Müllentsorgung oder Reparaturen inklusive - und das täglich, meist vor Beginn und nach Ende der Badezeit. Denn wenn die Sonne lacht und das Thermometer hochschnellt, tummeln sich Hunderte im Wasser und auf den Liegewiesen, da ist für solche Arbeiten tagsüber keine Zeit. Am Wochenende hat Frank Brehm Unterstützung von den Ehrenamtlichen der Wasserwacht.

In diesem Jahr ist alles anders. Wegen Corona konnte das Waldbad erst am 8. Juni eröffnet werden, drei Wochen später als sonst. Ein detailliertes Hygienekonzept war vonnöten, die Zahl der Badegäste ist auf 400 begrenzt. Ein- und Ausstiege aus dem Wasser sind gekennzeichnet, auch der Weg zum Imbiss. "Wenn sich jeder daran hält", meint Brehm, "dann haut das schon hin."

Freilich gibt es in jeder Badesaison auch immer mal kleinere Verletzungen, die verpflastert werden müssen, oder Bienenstiche, die schmerzen. Brenzlige Situationen mit Gefahr für Leib und Leben hat der Bademeister noch nicht erleben müssen.

Aber er weiß auch, dass er, der geübte Rettungsschwimmer, in kaum 20 Sekunden in der Mitte des Badesees wäre - vorausgesetzt, er sieht es rechtzeitig. Auch deshalb wacht er mit Argusaugen über die Badegäste, vor allem, wenn sich Kinder tummeln oder Jugendliche übermütig werden. Wenn manch Halbstarker ins Wasser springt und dabei nicht auf Schwimmer achtet, schreitet Brehm ein. Zur Zeit aber darf ohnehin nicht gesprungen werden.

Was Frank Brehm den Badegästen rät? Die üblichen Baderegeln einzuhalten: Nicht aufgeheizt von der Sonne ins Wasser rennen, sondern vorher besser abduschen. Dafür gibt es eine Außendusche und je drei weitere Duschen im Damen- und im Herrensanitärbereich. Natürlich sollte man auch nicht mit vollem Magen baden und auf keinen Fall alkoholisiert. Aber das mit dem Alkohol, erklärt Brehm, halte sich im Waldbad in Grenzen und sei nicht das Problem. Dagegen werde schon mal randaliert. Die Kupferdachrinnen von allen Gebäuden, erzählt Brehm mit Kopfschütteln und verärgert, seien geklaut worden.

Besonderes Auge auf Kinder

Von seinem hoch gelegenen Bademeisterhäuschen aus hat Frank Brehm eine ausgezeichnete Übersicht über das gesamte Waldbad mit dem 830 Quadratmeter großen Schwimmbecken, dem 1260 Quadratmeter umfassenden Nichtschwimmerbecken und dem Kleinkinderbereich mit 95 Quadratmetern. Nicht nur, wenn Kinder ausgelassen baden, sich vollspritzen und balgen, hat der Bademeister ein besonderes Auge auf sie, sondern auch auf ältere Badegäste, die sich vielleicht überschätzen könnten. Aber Brehm kennt seine Stammgäste, die regelmäßig kommen.

Wenn die Sommerferien beginnen, wird es sicherlich wieder turbulenter. Dafür dürfte auch Jürgen Forscht, engagierter Jugendpfleger im Landkreis Coburg, sorgen. Forscht beschäftigt sich seit einiger Zeit mit einem besonderen Projekt, das nach und nach Gestalt annimmt und für die Ferienzeit in den Startlöchern steht: Als nebenberuflicher Lehrbeauftragter der Hochschule Coburg hat er die Projektwerkstatt im Rahmen des Coburgers Wegs initiiert. Interfakultativ nehmen daran 18 Studenten über zwei Semester teil. Das Projekt trägt den Namen "Stand Up Paddling und intuitives Bogenschießen als Medium in der pädagogischen Arbeit".

Nachdem lange Zeit nur Online-Lehre möglich war, geht es nun praktisch zur Sache. Seit 6. Juni trainieren die Studenten in zwei Gruppen - Stand Up Paddling auf der Regenerationsfläche des Waldbads und Bogenschießen bei Christoph Unger in Ummerstadt, einem versierten Bogenkonstrukteur. Sport, Bewegung, Konzentration, Körperbeherrschung und Spaß stehen im Mittelpunkt.

Programm "Ferienangebote"

"Stand Up Paddling", erklärt Jürgen Forscht, der auch Kajak-Übungsleiter ist, "ist der Trend. Stehend auf dem Board und mit einem Paddel ausgerüstet, kann man sich auf Flüssen, Seen und sogar im Wildwasser bewegen." Das sei ein sehr gutes Lernfeld für Kinder und Jugendliche, sagt Forscht, meint aber auch, dass beide Sportarten auch gut im Reha-Bereich oder gar bei den Senioren aufgehoben wären. Auch deshalb gibt es bereits Kontakte zum Mehrgenerationenhaus, wo eine Seniorengruppe "Bogenschießen" aufgebaut wird.

Die Studenten müssen bis zum 17. Juli ein Konzept für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Senioren und Multiplikatoren auf den Tisch legen, bevor sie als Ferienbetreuer starten können. Ein Sonderprogramm "Ferienangebote", das der Freistaat mit 30 Millionen Euro bestückt hat, soll den finanziellen Rahmen geben. Die Stadt Bad Rodach hat sich, nachdem die Richtlinien veröffentlicht waren, dafür beworben. Vor allem die Kinder sollen davon partizipieren, deren Eltern auf Grund von Corona und Homeschooling ihren Jahresurlaub verbraucht haben und nun in den Sommerferien vor dem Problem der Kinderbetreuung stehen.