Die Jäger leisten zur Erhaltung von Natur und Kulturlandschaft einen wesentlichen Anteil. Das wurde bei der Hegeschau klar, die der Landkreis in Stadtsteinach durchführte. Zahlreiche Trophäen und Exponate machten im Schützenhaus deutlich, wie stark die Jägerschaft engagiert ist. Zufriedenheit herrschte grundsätzlich mit den Erfolgen der Grünröcke: "Die Zielvorgaben des Abschuss-Plans sind zu 99,6 Prozent erfüllt worden. Ein hervorragendes Ergebnis", sagte Landrat Klaus Peter Söllner.

Doch in den Becher der Freude fällt auch der eine oder andere Wermutstropfen. Otto Kreil, der stellvertretende Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, wies auf einige Problematiken hin. Danach erwarten sich die Jäger exaktere Vorgaben und Zielsetzungen staatlicherseits. Dies betrifft auch die waldbaulichen Ziele: "Die sind nicht ausschließlich mit der Büchse erreichbar."

Kreil ließ keinen Zweifel daran, dass nicht allein der Verbiss der Rehe schuld an den Forstschäden ist. Es gebe auch viele andere negative Faktoren wie die Klimaveränderungen, die Trockenheit oder auch der Käferbefall.

Kritisch setzte er sich mit der gesellschaftlichen Diskussion zu Natur-Themen auseinander. Vor dem Hintergrund des Bürgerbegehrens "Rettet die Bienen" ("Das hat uns die Stadtbevölkerung eingebrockt") erklärte er, wer den Bauern rigide Vorgaben mache, müsse es auch dem Stadtmenschen verbieten, seinen Hund ins Feld zu lassen. Das große Problem sei, dass das Naturverständnis der Menschen in den Städten gegen null gehe."

Hohe Erwartungen werden an die Jäger in anderer Hinsicht gestellt. Nach ihnen werde immer dann gerufen, wenn sich ein Problem auftue: "Wie beim Fischotter etwa, bei der Afrikanischen Schweinepest und jetzt beim Wolf."

Landrat Klaus Peter Söllner verdeutlichte, dass die Wolfssichtung in Kupferberg auch Thema im Landratsamt gewesen sei. Mit einiger Süffisanz bemerkte er, dass man jetzt wohl auch ein "Zertifikat" benötige, wenn man Kinder frei herumlaufen lassen wolle. Er teilte Kreils Sicht, wonach sich aus der Einflussnahme der urbanisierten Bevölkerung Probleme ergäben. Die Jagd habe einen gesellschaftspolitischen Auftrag zum Erhalt des Gleichgewichts in Forst und Flur, ohne sie gäbe es keinen Wald mehr. Doch die Städter sähen diesen Zusammenhang nicht mehr.

Der Landrat attestierte den Waidmännern hohes Engagement. Sie hätten den dreijährigen Abschuss-Plan hervorragend erfüllt und 3669 Rehe im vergangenen Jahr erlegt. Trotz reger Bejagung sei es nicht gelungen, den Anstieg des Schwarzwilds zu bremsen. Die Streckenzahlen beim Schwarzwild seien im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Die Schwarzkittel sorgten für intensive Schäden und seien potenzielle Seuchenträger.

Kreisjagdberater Clemens Ulbrich stellte die Abschusszahlen im Detail vor und rief dazu auf, zusammenzustehen. "Minderheiten von Theoretikern zwingen uns Gesetze auf und gängeln die Praktiker. Wenn etwa unser Revier-System angegriffen wird, haben wir verloren."

Forstdirektor Michael Schmidt, seit Februar Leiter des Forstbereichs des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, stellte sich dem Publikum vor. Der 42-Jährige nannte den Klimawandel eine große gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Der Wald sei gefährdet in seiner Substanz und als Ressort für Erholung und Trinkwasser.

Die Feier wurde von den Bläsern des Jagdschutz- und Jägervereins umrahmt. red