Leserbrief zur Sitzung des Gemeinderates Oberaurach im FT vom Montag: Seit vielen Jahren wird im Steigerwald wegen seines hohen Anteils an alten, artenreichen Laubwäldern teils heftig über den Naturschutz im Wald diskutiert und gestritten. Es gibt zwei Vereine mit unterschiedlichen Zielrichtungen: Der Verein "Nationalpark Steigerwald", welcher einen Nationalpark Steigerwald befürwortet, argumentiert, dass nur ein kompletter Nutzungsverzicht optimal für den Naturschutz im Wald ist, während der Verein "Unser Steigerwald" die Meinung vertritt, dass sich Naturschutz und Nutzung sinnvoll kombinieren lassen. Eines der Hauptargumente des Vereins "Unser Steigerwald" für die Berücksichtigung des Naturschutzes im Wirtschaftswald ist das sogenannte "Trittsteinkonzept" des Forstbetriebs Ebrach, mit dem es gelingt, durch den Erhalt von wertvollen Biotopbäumen, die Anreicherung von Totholz und durch den Nutzungsverzicht von lediglich fünf Prozent der Fläche eine hohe Artenvielfalt zu gewährleisten. So ist auf der Internetseite des Vereins "Unser Steigerwald" veröffentlicht: "Das vom Forstbetrieb Ebrach praktizierte ,Trittsteinkonzept' hat mittlerweile europaweit wissenschaftliche Anerkennung gefunden und könnte als Modellprojekt für ganz Deutschland für den Artenschutz im bewirtschafteten Wald gelten." Und weiter wird als Ziel formuliert: "Wir wollen durch die Umsetzung des Trittsteinkonzepts die Artenvielfalt weiterhin fördern, auch bei Privat- und Kommunalwaldbesitzern für diese Bewirtschaftungsform werben und interessierte Besucher zur Nachahmung ermutigen."

In der Sitzung des Gemeinderates Oberaurach vom 23. Juli stand nun ein Antrag zur Abstimmung, das "Trittsteinkonzept" verbindlich bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes Oberaurach einzuführen, um den Waldnaturschutz zu berücksichtigen. Wie die meisten Gemeinden im Steigerwald ist auch die Gemeinde Oberaurach Mitglied im Verein "Unser Steigerwald". Der Bürgermeister Thomas Sechser ist Mitglied im Beirat und Gemeinderätin Sabine Weinbeer Pressereferentin des Vereins.

Dennoch wurde der Antrag mit 13:3 Stimmen mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Für den Antrag stimmten lediglich die drei Gemeinderäte der Partei "Bündnis 90/Die Grünen".

Die Berücksichtigung des Waldnaturschutzes ist offensichtlich nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Oder lag es ganz einfach nur daran, dass der Antrag von der falschen Partei gestellt wurde? Es wäre schade, wenn nun auch schon auf kommunaler Ebene die Parteipolitik mehr als die Sachargumente im Vordergrund stehen würde. Hans Stark

Kirchaich