Die Impfpflicht bringt mich in die Bredouille. Ich bin absolut pro Impfen. Mein Impfpass ist so aktuell wie mein E-Mail-Postfach - und das hat sogar fein sortierte Unterordner. Vorsorge und Gesundheit nehme ich ernst, auch weil mein halber Freundeskreis zur Zeit schwanger ist oder eine Chemotherapie hinter sich hat. Wenn ich nur einen Anflug von Schnupfen spüre, sage ich Treffen lieber ab. Vielleicht bin ich übervorsichtig, aber was für mich mit ein paar Tagen Fieber erledigt ist, kann für Menschen mit schwachem Immunsystem tödlich enden. Das Risiko ist mir zu hoch und so verlagere ich unsere Gespräche lieber auf unpersönliche, Smiley-lastige WhatsApp-Nachrichten. Meine letzte Impfung ging allerdings nach hinten los: dreifach Kombination Tetanus-Diphtherie- Keuchhusten, FSME und Grippe - die volle Dröhnung. Alles an einem Tag. Kommentar meiner Mutter: "Das war schon selten dämlich."

Jap. Die Reaktion folgte prompt: Mir schwollen die Augen zu. Natürlich ist das kein gravierender Impfschaden. Aber es hat mir gezeigt, dass Impfen doch mehr als nur ein kurzer Pieks ist. Trotzdem werde ich zur nächsten Impfung wieder vorstellig werden. Dann aber nicht alles auf einmal... Impfen ist nicht komplett harmlos. Aber deutlich harmloser als die Krankheiten, vor denen die Nadel uns und unsere Mitmenschen schützt.

Trotzdem bedeutet es einen Eingriff in den Körper. Und das ist mein Problem. Ich mag es nicht, wenn mir der Staat sagt, was ich mit meinem Körper anzustellen habe. Ja, es ist Aufgabe des Staates, die zu schützen, die sich nicht selbst schützen können. Aber auf Kosten meiner Selbstbestimmtheit? Ich will selbst entscheiden dürfen, ob ich abtreibe, ob ich Organe spende - muss ich damit automatisch gegen die Impfpflicht sein? Diese Pflicht für Schulkinder und Angestellte ist eine Hintertür, die alle zur Impfung zwingt. Klar, staatliche Einrichtungen unterstehen, wie der Name verrät, dem Staat. Wenn ich das Angebot annehme, muss ich mich den Regeln unterwerfen. Aber das Gesetz trifft alle Einrichtungen, unabhängig, ob sie sich "in öffentlicher oder privater Trägerschaft befinden", wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilt.

Damit steht Impfpflicht gegen Schulpflicht. Das heißt, jedes schulpflichtige Kind muss geimpft werden - ansonsten droht Bußgeld. Was ist also die beste Lösung: Eine Pflicht, die Unwillige zwingt oder eine Freiwilligkeit, die viele gefährdet? Ich weiß keine Antwort auf mein Dilemma. Impfungen sind wichtig. Wir tragen Verantwortung für unsere Mitmenschen. Und doch drängt sich mir ein Satz in den Kopf: mein Körper, meine Entscheidung.

l.homann@infranken.de