Irma Michelmann kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Und an das kann sie sich auch noch gut erinnern, denn trotz des stolzen Alters von mittlerweile 90 Jahren ist sie noch sehr fit. Zu ihrem runden Geburtstag erhielt sie auch Besuch von Bürgermeister Günther Werner und stellvertretendem Landrat Michael Ziegler.
Auch wenn Irma Michelmann schon lange in Haßfurt lebt; geboren wurde sie in Bergrheinfeld. Als sie gerade 16 Jahre alt war, starb ihre Mutter. Als älteste von vier Geschwistern war sie es nun, die für die Familie sorgen musste. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs arbeitete sie bei der Eisenbahn. "Nach dem Krieg haben sie euch dann gesagt: ,Euch Frauen brauchen wir jetzt nicht mehr. Jetzt kommen die Männer wieder'", erzählt sie. So wurde Irma Michelmann bei Kriegsende entlassen, daraufhin kam sie nach Haßfurt. Hier baute sie sich zusammen mit ihrem Partner das Haus am Großen Anger auf, in dem Irma Michelmann noch heute wohnt. Obwohl sie bis zu seinem Tod 1985 zusammen blieben und eine gemeinsame Tochter haben, heirateten die beiden nie. Gemeinsame Hobbys waren Wanderungen und gemeinsame Urlaube. Nach einem schweren Unfall musste sich Irma um ihren Partner kümmern, der zunächst nicht mehr sprechen und laufen konnte. Tatsächlich gelang es, ihn wieder auf die Beine zu bringen. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagt sie. Mittlerweile hat Irma Michelmann eine Enkelin und drei Urenkel.
"Das Haus haben wir selbst gebaut", erzählt Irma Michelmann. "Es ist das älteste Haus hier oben", sagt ihre Tochter Bertid Bauer und erinnert sich, wie sie als Kind noch über Felder lief, wo heute Wohnhäuser stehen. Heute wohnt auch sie wieder mit ihrer Mutter im Elternhaus, seit sie 2006 nach Haßfurt zurückkam.


Atelier vorm Haus

Nach dem Krieg arbeitete Irma Michelmann in verschiedenen Berufen, unter anderem in einer Borstenfabrik oder bei Kugelfischer. "Ich war immer ein Arbeitstier" sagt die 90-jährige. Daneben war sie auch immer künstlerisch aktiv, was sie auch an ihre Tochter weitergegeben hat. Noch heute macht Irma Michelmann Bleistiftzeichnungen und freut sich über das Atelier, das gerade in der ehemaligen Garage vor ihrem Haus entsteht, so dass sie auch wieder anfangen kann zu malen. Auch Tochter Bertid Bauer ist froh darüber, dass ihre Mutter auch im hohen Alter noch in der Lage ist, sich zu beschäftigen. "Sie ist noch in ihrem Rhythmus", sagt sie. ps