Rund 80 Braumeister aus den verschiedensten Teilen der Welt hatten in der Fertigungshalle der Firma Kaspar Schulz in Bamberg nur ein Thema: das Bier. Zum zweiten Mal fand das Internationale Bierfestival statt - ein Muss für Bierkenner und -liebhaber.
Das Einzigartige an diesem Bamberger Bierfestival ist neben dem internationalen Publikum vor allem die familiäre Atmosphäre. Man kennt sich untereinander, man spricht über die verschiedenen Biersorten und die Vielfalt, welche das Getränk in den letzten Jahren dazugewonnen hat.
Über 130 unterschiedliche Biersorten können probiert werden. Hier geht es nicht um den Rausch, sondern um den Genuss. Gert Kelder, Braumeister aus Holland, genießt besonders, dass man an einem Ort mit so vielen Menschen vom Fach über deren Biere und vor allem die Geschichten dahinter sprechen kann. "Die Bamberger Innenstadt mit ihren vielen Brauereien ist ein Paradies", findet er. Auch an das Rauchbier gewöhne man sich und nach mehreren Krügen schmecke es hervorragend. Sein Favorit an diesem Abend ist Aecht Schlenkerla Eiche. Er braut gemeinsam mit seiner Frau im Familienbetrieb "Mommeriete" mit zwei Brauereien.
Die Bamberger Firma Kaspar Schulz mit mehr als 150 Mitarbeitern ist der älteste Brauereimaschinenhersteller der Welt (seit 1677) und Marktführer im Segment der Gaststättenbrauereien. Sie stellt schlüsselfertige Brau- und Mälzungsanlagen sowie Gär- und Lagertanks her. Im letzten Jahr hatte Firmeninhaber Johannes Schulz-Hess die Idee, zur Einweihung der neu gebauten Produktionshalle ein Bierfestival zu veranstalten - mit großem Erfolg. Und das Konzept eines Treffens von Kennern hat auch in diesem Jahr wieder viele Brauer nach Bamberg gelockt.
Einige Braumeister hatten gar keine so weite Anreise. So beispielsweise Jörg Binkert, selbst Mitarbeiter von Kaspar Schulz. Er besitzt das Brauhaus Binkert in Breitengüßbach und ist mit seinen "Main-Seidla"-Bieren ebenfalls vertreten. Neben den verschiedensten Bamberger Bieren werden vor allem internationale Biere verkostet, und dabei steht die Vielfalt im Vordergrund - der Begriff "Craft Beer" ist in aller Munde.
Biersommelier Reinhard Resel bekommt im nächsten Jahr eine neue Anlage von Kaspar Schulz in Portugal. Seine Spezialität: Thymian-Bier. "Es passt ausgezeichnet zu kräftigem Essen", erzählt Resel, der seit 18 Jahren in Portugal lebt. Dort sei das Bier noch kein Getränk zum Genießen, wie das in den USA und mittlerweile hier in Deutschland bereits der Fall sei. Er möchte das mit seinen besonderen Bieren ändern.
Der Braumeister Pekka Kääriäinen ist eigens aus Finnland zum Bierfestival nach Bamberg gekommen. In Helsinki betreibt er die große Gasthausbrauerei "Bryggeri". Er freut sich über den Zuwachs an kleinen Brauereibetrieben, auch in Finnland. Dadurch werde die Vielfalt an Biersorten gefördert, und Brauer könnten viel ausprobieren, da es kein Reinheitsgebot wie in Deutschland gibt. So ist das Bierfestival auch eine gute Gelegenheit zum Blick über den Tellerrand - von beiden Seiten.
Jule Dreßler