"Ich bin der Überzeugung, dass man zur vernünftigen Integration die Möglichkeit haben muss, sich frei zu bewegen und Erfahrungen zu sammeln", erklärt Wolfgang Bahr. Als Mitglied der Herzogenauracher Flüchtlingsbetreuung kam er 2015 auf die Idee, die Initiative "Spendenräder für Flüchtlinge" zu gründen. Das Ziel der Aktion ist einfach: Die Flüchtlinge sollen mit sicheren und verkehrstüchtigen Fahrrädern unterwegs sein.
Für seine Idee opferte Bahr im Sommer 2015 zuerst seine private Garage. Hier sollten nun Räder repariert werden, so dass die Flüchtlinge sie nutzen können. Zahlreiche Spenden kamen von Mitgliedern des Helferkreises und der Flüchtlingsbetreuung. Der wachsende Arbeitsaufwand führte jedoch dazu, dass die heimische Garage zu klein wurde.


Hilfe von den Herzowerken

Auf der Suche nach einer größeren kam Bürgermeister German Hacker (SPD) zur Hilfe: Er bot die alte Fahrradwerkstatt des Jugendhauses Rabatz an. Finanzielle Unterstützung zur Renovierung und Neuausstattung der alten Werkstatt kam von den Stadtwerken Herzogenaurach. Mit dieser tatkräftigen Unterstützung war die neue Werkstatt ab Januar 2016 startklar.
Ebenso tatkräftige Unterstützung bekommt Wolfgang Bahr seitdem von dem syrischen Flüchtling Mahmoud Maho. Dieser stellte sich bald als äußerst kompetenter und fleißiger Helfer heraus. "Ich liebe Arbeit", erklärt der Flüchtling stolz. Er kam im Sommer 2015 mit seiner Familie in Deutschland an, nachdem er seine Autowerkstadt in der syrischen Stadt Aleppo wegen der Straßenkämpfe aufgeben musste. Im Herbst wurde er dann in Herzogenaurach einquartiert, wo er inzwischen eine eigene Wohnung hat.


Wie ein Vater

Bereits im Dezember 2015 begann er, Wolfgang Bahr als ehrenamtlicher Helfer bei dessen Vorhaben zu unterstützen. Zu jenem pflegt er ein besonderes Vertrauensverhältnis und bezeichnet ihn als einen "Vater", der "sympathisch und freundlich ist". Nebenbei besucht Mahmoud Maho einen Integrationskurs in der VHS Herzogenaurach. Er soll derjenige sein, dem Wolfgang Bahr sein Amt mit vollstem Vertrauen übergibt: "Es wäre Zeit, das in jüngere Hände abzugeben", erzählt er. Den fleißigen Flüchtling hält er für die richtige Wahl, schließlich hilft er schon seit über einem Jahr zuverlässig und mit Engagement.
Gemeinsam wurden bis zum heutigen Tag 280 Fahrräder verkehrssicher gemacht. Das Unternehmen wurde dankend angenommen und teilweise halfen bis zu drei Mechaniker. Dabei muss unterschieden werden: Es gibt sogenannte ambulante Fälle, bei denen die Fahrräder bereits im Besitz der Flüchtlinge waren, jedoch dringend repariert werden mussten. Außerdem gab es bis jetzt 180 Spendenräder, die in der Werkstatt nutzbar gemacht und dann an Bedürftige gegeben wurden.
Dabei lobt Bahr vor allem Pfingsten 2016: "Unvergesslich". Zu diesem Zeitpunkt gab es einen Spendenaufruf im Amtsblatt, und nach nur wenigen Tagen standen etwa 80 Fahrräder vor der Werkstatt. Für die Reparatur ihrer Räder müssen die Flüchtlinge nur eine sehr geringe Gebühr zahlen. Es sind aber auch alle anderen Bürger der Stadt Herzogenaurach eingeladen, ihr Fahrrad von den Mechanikern um den neuen Chef Mahmoud Maho auffrischen zu lassen.