Zum Jahreswechsel übergab Roland Schmitt die Leitung der Polizeiinspektion Pegnitz in jüngere Hände. Es dürfte wohl landes- oder sogar bundesweit kaum einen Dienststellenleiter geben, der dieses Amt länger ausgefüllt hat. Zum 1. Juli 2001 hatte Schmitt die Leitung der Polizeiinspektion Pegnitz übernommen.

Ein Aufstieg auf der Karriereleiter war damit für ihn nicht mehr verbunden, hatte er doch schon mit 38 Jahren das Endamt seiner Laufbahn im gehobenen Dienst erreicht und war bereits beim Polizeipräsidium Mittelfranken zum Ersten Polizeihauptkommissar befördert worden.

Eine leichte Aufgabe war es für ihn damals nicht, diese Aufgabe zu übernehmen, resümiert Schmitt, denn sein Vorgänger hatte einen extrem guten Ruf und hatte die Dienststelle medienwirksam als "beste Polizei der Welt" dargestellt. Hatte die Inspektion im Jahre 1970 noch eine Sollstärke von 44 Beamten, so wurde der absolute Tiefpunkt 2009 erreicht, als er einige Zeit nur noch 25 einsatzfähige Beamte zur Verfügung hatte. Natürlich durften diese Engpässe nicht publik werden, da Straftäter daraus ihre Vorteile hätten ziehen können.

Durch den guten Zusammenhalt innerhalb der Dienststelle konnte diese schwere Zeit aber gemeistert werden, bis sich die Personalsituation wieder langsam etwas verbesserte und junge Beamtinnen und Beamte direkt von der Bereitschaftspolizei nach Pegnitz versetzt wurden. Viele Nachwuchspolizisten, die aus den neuen Bundesländern stammten oder keine Stellen bei ihren Heimatrevieren erhielten, ließen sich zunächst nach Pegnitz versetzen. Dies führte zeitweise zu einer hohen Personalfluktuation und dazu, dass die Dienststelle kurzzeitig sogar den niedrigsten Altersdurchschnitt in ganz Oberfranken hatte.

In den letzten Jahren hat die Inspektion aber wieder einen ausgewogenen Personalmix aus älteren erfahrenen Beschäftigten und jungen engagierten Kräften. Trotz dieser Schwierigkeiten kann Roland Schmitt eine überaus erfolgreiche Bilanz seiner langjährigen Tätigkeit ziehen. Die Aufklärungsquote, also der Anzahl der Straftaten, bei denen eine Täterermittlung möglich war, zeigt, dass die Ergebnisse der Polizeiinspektion Pegnitz seit vielen Jahren weit über dem bundes- und bayernweiten Vergleich liegen. Im aktuellen Jahr 2020 bewegt sich die Dienststelle sogar im Bereich von 80 Prozent. Die genauen Zahlen dürfen aufgrund ministerieller Vorgaben aber erst im Frühjahr veröffentlicht werden. Neben der Gewährleistung der Sicherheit der über 34 500 Bürger des südlichen Landkreises Bayreuth legte Schmitt ein besonderes Augenmerk auf die Verkehrssicherheit. Schmitt war auch bis zum Abzug des Dienstmotorrades durch das Polizeipräsidium Oberfranken regelmäßig mit dem Motorrad unterwegs, um mit Bikern ins Gespräch zu kommen und unvernünftige Raser aus dem Verkehr zu ziehen.

Rauschgift bei Kindern

Ein Bereich, der dem Dienststellenleiter in letzter Zeit größte Sorge bereitete, war die Rauschgiftkriminalität im Bereich von Kindern und Jugendlichen. Da die Gehirnentwicklung von Jugendlichen bis in die späte Pubertät andauert, kommt es nach wissenschaftlichen Studien zu irreversiblen Schädigungen des Gehirns und dadurch zu einem erhöhten Auftreten von Psychosen und Schizophrenie, wenn Cannabis in der Jugend geraucht wird. "Die Leute behalten oft lebenslang einen Schaden", so Schmitt. Er kann von Fällen berichten, in denen sich Drogenkonsumenten angeregt mit Autokopfstützen oder Straßenlaternen unterhalten haben, sich im Glauben, fliegen zu können, zu Tode gestürzt haben oder sich vor einen Schnellzug auf die Gleise stellten, um diesen anzuhalten. Manche sehen große Spinnen an der Zimmerdecke laufen oder hören Stimmen, die ihnen befehlen, auf Eltern oder Lebenspartner einzuschlagen. Daher legte er hierauf einen Ermittlungsschwerpunkt, um Tendenzen zur Verharmlosung und Legalisierung dieser Droge entschieden entgegenzutreten. In diesem Rahmen wurden allein in den letzten Monaten 164 Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 80 Personen eingeleitet.

Rückblickend ist Schmitt besonders dankbar dafür, dass trotz der Gefährlichkeit des Polizeiberufes unter seiner Verantwortung kein einziger Kollege einen schweren gesundheitlichen Schaden davongetragen oder gar sein Leben verloren hat.

"Während viele Leute ihr Leben verträumen, habe ich meinen Traum gelebt", so Schmitt bilanzierend. Nach seinem Abitur 1979 kam er 1980 als junger Polizeipraktikant in seine Heimatstadt nach Pegnitz. Nach seinem abgeschlossenen Studium an der Bayerischen Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck schloss er mit dem akademischen Grad eines Diplomverwaltungswirtes (FH) ab, wurde zum Polizeikommissar befördert und übernahm mit 22 Jahren seine erste Führungsaufgabe als Zugtruppführer bei der Bereitschaftspolizei.

Der Traumberuf

Kurz darauf wurde er in das Bayerische Staatsministerium des Innern berufen, wo er fast drei Jahre lang als Sachbearbeiter für Polizeirechtsangelegenheiten und Beschwerden zuständig war. Als Praktiker zog es ihn wieder zur "richtigen Polizei" und er war zweieinhalb Jahre Dienstgruppenleiter bei der Polizeiinspektion Lauf an der Pegnitz, bis er in den Stab des Polizeipräsidiums Mittelfranken beordert wurde. Für Schmitt war Polizist immer sein Traumberuf, aber Dienststellenleiter der Heimatortdienststelle war für ihn die absolute Krönung. red