Erlangen — Mehr Arbeit am Sonntag, bis zu zehn Tage weniger Urlaub und kein Urlaubsgeld mehr: Die rund 1300 Bäcker und Verkäuferinnen in Erlangen stehen vor enormen Einschnitten. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitgeteilt. "Die bayerische Bäcker-Innung hat den Tarifvertrag gekündigt. Das ist ihr gutes Recht, jedoch haben die Arbeitgeber ohne jeden Grund einen wahren Horror-Katalog vorgelegt. Danach sollen sogar Krankheitstage von den Urlaubstagen abgezogen werden", sagt Regina Schleser, die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth.


Schluss mit Sicherheit im Job?

Bislang gilt ein Manteltarifvertrag für alle Mitarbeiter - vom Bäcker über die Verkäuferin bis zur Reinigungskraft. "Auch in Erlangen haben die Beschäftigten dadurch Sicherheit im Job. Wenn es nach den Bäcker-Chefs geht, soll damit ab Oktober Schluss sein" sagt Regina Schleser. Konkret sehe der Vorschlag der Bäcker-Innung vor: Das Urlaubsgeld von bis zu 142 Euro soll gestrichen, die Sonntagsarbeit ausgeweitet und die Probezeit verdoppelt werden, so die NGG Nürnberg-Fürth.
"Der Gipfel ist die geplante Urlaubsregelung. Von 30 Urlaubstagen sollen bis zu zehn Tage mit einzelnen Krankentagen verrechnet werden", sagt die NGG-Geschäftsführerin. Und sogar wer über längere Zeit krank sei, dem blieben dann nur noch 20 Urlaubstage. Gerade in einer Branche mit hoher körperlicher und psychischer Belastung sei das eine "enorme Zumutung" für die Beschäftigten, so Schleser.
Obermeister Alfred Seel von der Bäcker-Innung Bamberg-Forchheim verweist darauf, dass Tarifverträge regelmäßig nach Ende der Laufzeit von der einen oder anderen Seite gekündigt würden. Die Gewerkschaften machten davon Gebrauch, wenn es um Lohnerhöhungen gehe, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Landesinnungsverbandes, Wolfgang Filter. Jetzt mache die Bäcker-Innung davon Gebrauch, denn die Belastungen seien einseitig zu Ungunsten des Bäckerhandwerkes verschoben worden. Der Gewerkschaft NGG wirft Filter vor, die Dinge falsch darzustellen. Beispielsweise werde das Urlaubsgeld den Beschäftigten nicht genommen, sondern in die Altersvorsorge überführt. red/ao