Von einer Mutter erhielten wir folgende Zeilen:

Als Mutter zweier Erstklässler bin ich einfach nur wütend, enttäuscht und müde. Wütend über die Nachricht unserer Grundschule, dass die Kinder nun über die beiden Lolli-PCR-Tests pro Woche hinaus montags zusätzlich mit einem Schnelltest getestet werden. Nicht, weil ich den Vorgang an sich schlimm finde, sondern weil ich weiß, dass sich mein Kind nun wieder Sorgen macht.

Das Ergebnis der Lollitests bekommen die Eltern per E-Mail. Das Ergebnis des Schnelltests liest das Kind selber ab. "Mami, was passiert, wenn der Test zwei Striche hat? Holst du mich dann ab? Lachen die anderen Kinder? Müssen dann alle wegen mir in Quarantäne?"

Zusätzlich haben die Kinder ab sofort nicht nur eine Maskenpflicht am Sitzplatz, sondern auch noch beim Turnunterricht in der Halle. Da ich berufstätig bin, gehen meine beiden nach der Schule noch in eine Hortbetreuung. Sie tragen die Maske etwa sechs bis sieben Stunden pro Tag. Enttäuscht von mir bin ich, dass ich beiden jeden Morgen gut zu rede. Dass die Maske doch nicht schlimm sei, wir das für Andere tun würden. Dass ich wisse, dass das Atmen dahinter nach einiger Zeit schwer wird, dass entzündete Nasenflügel und Lippen nicht schön, aber nicht zu ändern sind.

Innerlich möchte ich schreien. Müde bin ich, mich wieder einmal ans Schulamt oder Landratsamt zu wenden und zuzuhören, wie sich Erwachsene in Ausreden verrennen, sich hinter den Anweisungen anderer verstecken und mir Landtagsbeschlüsse und Anordnungen des Kultusministeriums zusenden, die ich mir mühelos selbst im Netz besorgen kann.

Müde bin ich von Gesprächen mit Eltern, die einfach resignieren. Die Angst vor dem Distanzunterricht ist groß. Mütter fürchten sich vor der Situation, wieder den Spagat zwischen Homeschooling, Job, Homeoffice und Haushalt bewältigen zu müssen. Angst davor, nach einem 20-Stunden-Tag wieder weder dem Arbeitgeber, noch dem eigenen Kind gerecht geworden zu sein. Sich selber schon gar nicht.

Groß ist auch die Angst, bei lauter Kritik in die Schublade der Querdenker geschoben zu werden. Darf ich als Mutter nicht sagen, dass mir die Zukunft dieser Generation Sorgen bereitet? Dass Kontakte innerhalb der eigenen Altersgruppe wichtig sind für die Entwicklung einer gesunden sozialen Gesellschaft? Von der Wichtigkeit eines starken Immunsystem ganz abgesehen.

Ist es nicht gesellschaftlich bedenklich, dass Jugendliche von Kino, Hallenbad und Vereinssport ausgeschlossen sind, wenn sie keinen Impfstatus vorweisen können? Dass Tests zwar nach wie vor sicher genug sind, um Menschen vom sozialen Leben 14 Tage lang auszuschließen, aber zu falsch, um daran teilhaben zu dürfen?

Stattdessen diskutieren wir stundenlang, ob sich ein Fußballer impfen lässt, feiern ungeniert zu Tausenden Karneval und sitzen in vollen Stadien.

Ich frage mich, wann wir uns endlich schützend vor unsere Kinder stellen. Das ist einfach gerade nicht meine Gesellschaft und manchmal wünsche ich mir fast den nächsten Lockdown, um mich zuhause mit meinen Lieben zu verschanzen. Mit den meisten draußen möchte ich aktuell eher wenig zu tun haben.

Tanja Pachali

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