Vor circa zweieinhalb Jahren kam Abdo Jankiz mit seiner Familie aus Syrien nach Wallenfels im Landkreis Kronach. Damals wollte der gelernte Schneider unbedingt einen Arbeitsplatz finden - als Schneider hat er keine Anstellung gefunden, jedoch eine neue Stelle bei dem namentlich passenden Arbeitgeber: der Firma Dr. Schneider in Neuses. Er ist einer von 105 Geflüchteten, die erfolgreich durch das Jobcenter Kronach (JC) vermittelt wurden. Mit 36,5 Prozent hat der Landkreis die höchste Arbeitsmarktintegrationsquote in der Region.


Die Zusammenarbeit

Die Firma Dr. Schneider beschäftigt derzeit 13 anerkannte Asylbewerber aus zehn verschiedenen Nationen, zwei davon befinden sich in der Ausbildung. "Es macht einen stolz, dabei zu sein", verkündet Personalleiter Franz Seuling. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Kronach hat der Betrieb ein Einarbeitungsprogramm für Geflüchtete erarbeitet. Über die Arbeitsvermittlerin Yvonne Waurig-Schneider wird der Kontakt aufgebaut und ein Praktikum vermittelt. In maximal vier Wochen wird dabei die Eignung des Praktikanten geprüft. Nach einer weiteren Einarbeitungszeit von sechs Monaten ist der Asylbewerber ein vollwertiger Mitarbeiter. Dem Personalleiter ist es besonders wichtig, dass es bei der Chance auf Übernahme "keine Sonderrollen" gibt. Er versichert: "Das Prozedere ist immer und bei allen gleich." Abdo Jankiz fühlt sich wohl, die Arbeit fällt ihm mittlerweile leicht. "Am Anfang war es schwierig, aber alle hatten Geduld mit mir", gesteht er.
Für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration müssen viele Hürden gemeistert werden. "Die größte Herausforderung sind die mangelnden Deutschkenntnisse", erklärt die Arbeitsvermittlerin. Sobald der Asylantrag anerkannt wurde, müssen die Bewerber einen Sprachkurs mit einer Dauer von sechs Monaten bis zu einem Jahr besuchen. "Erst dann wird vermittelt." Des Weiteren ist es schwierig, die bereits bestehenden beruflichen Qualifikationen aus dem Heimatland richtig einzustufen. Auch verfügen die meisten Geflüchteten über wenige Fachkenntnisse.
Der stellvertretende Geschäftsführer Jochen Wich-Herrlein vom Jobcenter erklärt, dass viele der Asylbewerber daher auch in Helferstellen ausgebildet werden. Der Bedarf dafür ist groß. Beinahe 30 Prozent der offenen Stellen in der Region seien solche Helferstellen. "Es ist richtig, diesen Weg einzuschlagen", beteuert er.
Doch damit sind nicht alle Probleme gelöst: Eine große Schwierigkeit ist die Mobilität. Franz Seuling erklärt, dass viele Asylbewerber über den Landkreis verteilt wohnen, jedoch keinen Führerschein besitzen. Durch die wenigen öffentlichen Verkehrsmittel sei es daher schwierig, täglich zur Arbeit zu kommen. Das Ablegen der Führerscheinprüfung sei daher äußerst empfehlenswert. Dennoch setzen das Jobcenter und die Unternehmen auf die Attraktivität des Standorts Kronach, um einen späteren Wegzug der Asylbewerber zu verhindern.
Der Personalleiter erklärt, dass viele Probleme auch zwischenmenschlich und mit viel Engagement gelöst werden müssen. Für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration "gehört auch Herzblut". Die Integration sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch die ehrenamtliche Unterstützung im Alltag ist wichtig für den Erfolg.Der Landkreis ist ein gutes Beispiel dafür: "Alle ziehen am gleichen Strang."


An Erfolge anknüpfen

Die Firma Dr. Schneider möchte auch in Zukunft mit dem Jobcenter zusammenarbeiten und Asylbewerber einstellen. Auch Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Löffler ist zuversichtlich und möchte im nächsten Jahr "an die Erfolge anknüpfen". Aktuell sind 26 Asylbewerber vermittelbar. Weitere 115 absolvieren momentan Sprachkurse oder besuchen die Schule. Ein Großteil der Geflüchteten ist unter 15 Jahre alt. In ihnen sieht der Geschäftsführer das größte Potenzial und macht deutlich: "Die Zuwanderung ist vielmehr eine Chance als Problem." Das bestätigt auch Jochen Wich-Herrlein. Er sieht in der Zusammenarbeit mit den regionalen Betrieben "einen Weg, langfristig qualifiziertes Personal zu sichern". Für die Firma Dr. Schneider geht dieses Konzept auf. Abdo Jankiz hat nicht vor, das Unternehmen zu verlassen: "Ich hoffe, dass das meine letzte Arbeitsstation bleibt."