Stephan Herbert Fuchs

Führerschein weg, Mann weg, Haus abgebrannt und jetzt muss sie auch noch ins Gefängnis: Für eine 61-jährige Frau aus Thüringen läuft es derzeit alles andere als optimal.

Im Juni des vergangenen Jahres war sie wieder einmal mit dem Auto unterwegs. Von der Autobahn A 70 kommend fuhr sie an einem Sonntag gegen 17.15 Uhr auf der Bundesstraße B 85 quer durch Kulmbach, mit knapp 1,6 Promille absolut fahruntüchtig, einen Führerschein hatte sie schon länger nicht mehr. Weil das alles nicht zum ersten Mal der Fall war und Geld- und Bewährungsstrafen der Kosmetikerin nicht zur Warnung gedient hatten, verurteilte Richterin Sieglinde Tettmann die Frau jetzt zu acht Monaten ohne Bewährung.

"Sie war in Schlangenlinien unterwegs und raste bei roter Ampel über die Schauerkreuzung", berichtete ein 64-jährger Motorradfahrer. Der Zeuge hatte zunächst gedacht, dass bei der Frau mit dem Kleinwagen ein medizinisches Problem vorliegt. Deshalb habe er sie verfolgt und die Polizei verständigt.

Lkw-Fahrer überrumpelt

Auf einem Parkplatz bei Untersteinach fand er dann das nagelneue Auto verlassen vor, die Frau hatte sich bei einem polnischen Lkw-Fahrer im Führerhaus versteckt. "Der wusste gar nicht, wie ihm geschah", berichtete einer der Polizisten, die kurz darauf auf dem Parkplatz eintrafen. Den Beamten gegenüber gab die Angeklagte an, sie sei mit dem Taxi hierhergekommen, mit dem abgestellten Wagen habe sie nichts zu tun.

Für die Polizei genügte ein Blick in die Handtasche der Frau, um das Gegenteil festzustellen: Dort fanden sie den Autoschlüssel. Was sie nicht fanden, war ein Führerschein. Allerdings nahmen die Beamten deutlich Alkoholgeruch war, so dass für sie der Fall schnell klar war.

Nicht für die Frau: "Sie hat sich komplett unkooperativ und uneinsichtig verhalten", sagte der Polizist. Erst sei sie aus dem Führerhaus des Lkw gefallen, dann wollte sie sich losreißen und musste sogar gefesselt werden. Erst danach gelang es unter erheblichem Widerstand, sie zur Blutentnahme ins Kulmbacher Klinikum zu bringen.

Uneinsichtig war die Frau auch im Mai, als die Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht schon einmal angesetzt war, die 61-Jährige dem Gericht aber unentschuldigt fern blieb. Das Gericht hatte damals einen Haftbefehl ausgestellt, die Frau wurde jetzt von zwei Justizbeamten einer JVA vorgeführt.

Persönliche Probleme häuften sich

Vor Gericht räumte die Angeklagte die Trunkenheitsfahrt ein, auch dass sie keinen Führerschein mehr besitzt, habe sie natürlich gewusst. Hinter der Tat steckten ganz andere Dinge, wie sich im Lauf der Verhandlung herausstellen sollte. Erst war ihr Ehemann auf und davon und ließ sie mit ihren beiden Kindern sitzen, dann brannte im Januar 2020 ihr Wohnhaus aufgrund eines technischen Defektes ab. Weil sie darin auch ihr Kosmetikstudio hatte, konnte sie seitdem nicht mehr arbeiten und rutschte in Hartz IV ab.

"Wenn ich Probleme habe, dann trinke ich schon mal ein Glas Wein", sagte sie. Sie komme aber auch ganz gut ohne Alkohol aus, wie die zurückliegenden Wochen in der U-Haft gezeigt hätten.

So weit, so gut, wenn da nicht die vielen Vorstrafen gewesen wären. Immer wieder wurde sie wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt. Als dann der Führerschein weg war, hatte sie sich aufs Schwarzfahren verlegt. Zuletzt wurde sie deshalb erst vor wenigen Tagen in Plauen ebenfalls zu acht Monaten ohne Bewährung verurteilt. Eine Strafe, die sie jetzt vielleicht noch zusätzlich absitzen muss.

Die jetzigen acht Monate entsprechen der Forderung der Staatsanwaltschaft, während Verteidiger Werner Brandl auf eine Bewährungsstrafe von vier Monaten plädiert hatte. Der Anwalt begründete seine Forderung mit der hohen emotionalen Belastung durch die persönlichen Lebensumstände seiner Mandantin.

Es spreche einfach zu vieles gegen die Angeklagte, begründete Richterin Tettmann ihr Urteil. Die Frau sei vielfach einschlägig vorbestraft, habe mit knapp 1,6 Promille erheblich über dem Grenzwert zur absoluten Fahruntüchtigkeit gelegen, während ihrer Trunkenheitsfahrt erhebliche Fahrfehler begangen und damit andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.

Rätselhafte Anschaffung

Am meisten schmerzte der Frau wohl der Verlust ihres nagelneuen Kleinwagens. Den hatte sie sich erst wenige Wochen vor der Trunkenheitsfahrt für rund 10 000 Euro gekauft, obwohl sie gar keinen Führerschein hat. Die Polizei stellte ihn damals sicher, was das Gericht im jetzigen Urteil noch einmal bestätigte.

"Wenn die Fahrerlaubnis unanfechtbar entzogen wurde, warum kauft man sich dann ein Auto?", äußerte die Richterin ihr Unverständnis über das Verhalten der Frau.