In den bewegten Jahren der Gegenreformation und der katholischen Reform, im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert lebten im Bistum Bamberg mehrere Geistliche mit einer farbigen Lebensgeschichte. Die wohl ungewöhnlichste Biografie hatte Konrad Pfendner aus Hollfeld, der ab 1609 als Pfarrer in Marktzeuln wirkte.

Konrad Pfendner gehörte einer Hollfelder Familie an, die mehrere namhafte Mitglieder hervorbrachte, darunter den Komponisten Heinrich Pfendner (um 1590-1631), Hoforganist in Graz und Würzburg. Anfang oder Mitte der 1560er Jahre dürfte Konrad Pfendner zur Welt gekommen sein. Erstmals erscheint er in den Quellen, als er sich am 31. Mai 1586 an der Universität Tübingen einschrieb. Seine Universitätskarriere verlief zügig: Am 28. September 1586 erwarb er das Bakkalaureat - woraus man schließen darf, dass er zuvor schon an einer anderen Hochschule studiert hatte. Kein Jahr später, am 2. August 1587, erlangte er die Würde eines Magisters. Damit hatte er das Grundstudium an der "Artistenfakultät", der später sogenannten philosophischen Fakultät abgeschlossen.

Überdurchschnittliche Bildung

Nun erst besaß er das Recht, theologische Vorlesungen zu hören. Zugleich hatte er an der Artistenfakultät zu lehren, was er möglicherweise für die vorgeschriebenen zwei Jahre tat. Theologie scheint Pfendner nicht mehr studiert zu haben, was aber für ein geistliches Amt zu dieser Zeit auch nicht erforderlich war. Schon mit dem Grad eines Magister artium verfügte Pfendner über eine überdurchschnittliche Bildung. Dies bewog offenbar den Bamberger Bischof Ernst von Mengersdorf, Pfendner an das erst 1586 ins Leben gerufene "Collegium" in Bamberg zu berufen. Diese Einrichtung, nach ihrem Gründer "Ernestinum" genannt, war zugleich Hochschule und Priesterseminar, sollte also künftige Priester ebenso ausbilden wie junge Männer, die kein geistliches Amt anstrebten; Letztere wurden so aber immerhin vom Besuch einer Hochschule im evangelischen "Ausland" abgehalten. Doch nur für wenige Wochen lehrte Pfendner am Ernestinum. Als er ein eindeutiges Bekenntnis zum katholischen Glauben ablegen sollte, kehrte er nach Tübingen zurück. Offenbar war Pfendner von Jugend auf evangelisch, woran man im Hochstift Bamberg bis ins letzte Drittel des 16. Jahrhunderts wenig Anstoß nahm.

Erst Bischof Neithard von Thüngen setzte ab 1595 die Gegenreformation durch, indem er als Landesherr seine Untertanen vor die Wahl zwischen katholischem Bekenntnis und Auswanderung stellte. Zurück in Tübingen, heiratete Pfendner im April 1589 die dortige Bürgerstochter Susanna Heinlin. Noch im selben Jahr wurde er evangelischer Geistlicher mit der Bezeichnung "Diakon" in Buchsweiler im Elsass (heute Bouxviller, etwa 32 Kilometer nordwestlich von Straßburg). 1593 erhielt er die Pfarrstelle im benachbarten Ernolsheim (heute Ernolsheim-lès-Saverne), das er aber nach einem Jahr verließ. Er war wegen seiner schlechten Sitten "gar abgestoßen worden". Von 1594 an wirkte er als Pfarrer im elsässischen Weinburg (heute Weinbourg). In der ersten Jahreshälfte 1597 zog er hier ab und brachte seine Frau und seinen Hausrat in Straßburg unter. Dann reiste er mit seiner Geliebten, einer Weinburger Wirtsfrau, in seine Heimatstadt Hollfeld, wo er sich vermutlich niederlassen wollte.

Zum Tode verurteilt

Doch der Ehemann seiner Geliebten war ihnen gefolgt und zeigte Pfendner an, der daraufhin verhaftet wurde. Er wurde nach Bamberg überführt, wo ihn die weltlichen Hofräte zum Tod verurteilten. Schließlich begnadigte ihn der Fürstbischof, verwies ihn jedoch seines Landes, des Hochstifts Bamberg, auf ewig. Drei Jahre gingen ins Land, da wandte sich Pfendner am 11. August 1600 mit einem Bittschreiben an den Bamberger Fürstbischof, mittlerweile Johann Philipp von Gebsattel. Pfendner ersuchte ihn, sich wieder im Bambergischen niederlassen zu dürfen. Eindringlich verwies er darauf, er habe sich mittlerweile zum katholischen Glauben bekehrt. So gab der geistliche Landesherr seiner Bitte statt: Am 13. September 1600 wurde ihm die Rückkehr gewährt.

Erneut nach Hollfeld

Pfendner zog erneut nach Hollfeld. Von hier aus bat er am 8. November 1600 die geistliche Regierung in Bamberg, ihn von den Sünden der Häresie - des Irrglaubens, gemeint war das einstige evangelische Bekenntnis Pfendners - und des Ehebruchs loszusprechen. Vermutlich erlangte er wunschgemäß die Absolution. Überdies erhielt er finanzielle Hilfen aus Bamberg: Im Juli 1601 ließ ihm der Fürstbischof den ansehnlichen Betrag von zwölf Gulden auszahlen.

Kurz darauf reiste Pfendner nach Prag, wo er sich offenbar auf eine geistliche Laufbahn in der katholischen Kirche vorbereiten wollte. Im April 1604 empfing er in Bamberg die Weihe zum Diakon, wenig später die Priesterweihe. In diesen Monaten lebte er im Bamberger Dominikanerkloster. Wo Pfendner in den ersten Jahren nach seiner Priesterweihe eingesetzt war, ist unbekannt. Am 7. März 1608 kam er als Pfarrer nach Zell am Ebersberg. Dieser Pfarrort lag zwar in der Diözese Würzburg, gehörte aber zum bambergischen Amt Zeil am Main. Nach anderthalb Jahren versetzte ihn die Bamberger geistliche Regierung in die damals schwierigste Pfarrei des Bistums, nach Marktzeuln: Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg hatte die Gemeinde den Amtsantritt eines katholischen Pfarrers, zuweilen mit Waffengewalt, verhindert. Erst nach der Festnahme aller erwachsenen Männer, deren man habhaft werden konnte, gelang es bambergischen Beamten, anstelle des ausgewiesenen evangelischen Pfarrers einen katholischen Geistlichen einzusetzen: eben Konrad Pfendner.

Ein schweres Amt angetreten

Als Pfendner, geschützt von bewaffneten Bürgern aus den Nachbarstädten, am 18. November 1609 die Pfarrei Marktzeuln übernahm, trat er also ein schweres Amt an. Beredt beklagte er sich im Juli 1610 in Bamberg: "Seine Pfarrkinder [...] schenden und schmähen ihn uffs Eusserste, werfen ihm die Fenster ein und füegen ihm allerlei Unbilligkeit zue." Er sei bei "diesem unruhigen Wesen" seines Lebens nicht sicher, schrieb er den Bamberger Räten einige Monate später. Obendrein war das Pfarrhaus baufällig. Andererseits scheint Pfendner durch sein Wesen die Marktzeulner in ihrem Widerstand gegen die Gegenreformation eher bestärkt zu haben. Wie der katholische Schultheiß von Marktzeuln, der örtliche Vertreter des Landesherrn, 1611 beklagte, behandle der Pfarrer ihn und die ganze Gemeinde mit "Unbescheidenheit". Dadurch gebe Pfendner Ursache zum "Ungehorsamb in Religionssachen". Bald darauf verließ Pfendner das harte Pflaster Marktzeuln, nachdem er sich schon seit Juli 1610 um eine andere Pfarrei bemüht hatte. Am 25. Mai 1611 erhielt er die Pfarrstelle in Ebensfeld. Auch hier blieb er nicht allzu lange. Im Februar 1614 kam er als Pfarrer nach Reuth bei Forchheim, wo er am 30. Juni 1624 starb.