Der Vorwurf wog schwer: Ein 20-Jähriger soll im Darknet täuschend echt aussehende Rezeptvordrucke bestellt und darauf mit dem Namen seiner damaligen Hausärztin unterschrieben haben. Dann verordnete sich der Auszubildende selbst Schmerzmitteln und ein Psychopharmaka. Letzteres löste er in der Kasendorfer Apotheke ein.

Der Schwindel flog natürlich auf, und so landete der junge Mann wegen Urkundenfälschung vor dem Jugendrichter des Kulmbacher Amtsgerichts. Wenn er am Ende ohne Geld- oder Freiheitsstrafe davonkam, dann deshalb, weil einmal aufgrund erheblicher Reifeverzögerungen das wesentlich mildere Jugendstrafrecht zur Anwendung kam.

Zum anderen sah das Gericht, dass sich der Angeklagte aufgrund akuter Angststörungen in einer absoluten Notlage befand. Allerdings ordnete Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner die Teilnahme an einer ambulanten psychotherapeutischen Betreuung an.

"Ich wollte so schnell wie möglich runter von den Zeug", sagte der 20-Jährige. Doch als seine Hausarztpraxis das Mittel von jetzt auf gleich absetzten wollte, ging ihm das dann doch zu schnell. Er habe extreme Angst gehabt, seine Ausbildungsstelle zu verlieren, wenn er wieder eine Panikattacke bekomme.

Todesangst

Der Auszubildende berichtete von heftigen Krampfanfällen und von Todesangst. "Mir schnürt es den Hals zu", sagte er. Deshalb er die Psychopharmaka dringend benötigt.

Beim Surfen auf den Seiten verschiedener Online-Apotheken sei er dann auf einer Homepage gelandet, die ganz klar dem Darknet zuzuordnen ist. Unter falschem Namen bestellte er dort einige Rezeptvordrucke, die auch eine Art Stempel seiner Kulmbacher Hausarztpraxis trugen.

Er unterzeichnete die "Rezepte" und fuhr, damit es weniger auffällt, zur Einlösung nach Kasendorf. Aus heutiger Sicht nannte er es einen Glücksfall, dass der Schwindel aufflogen. "Sonst wäre ich nicht so schnell weggekommen von dem Zeug".

Er habe sich selbst beweisen wollen, dass er es schaffe, sagte er. Deshalb war er von sich aus in eine Entzugsklinik gegangen, wo schon ein kurzer Aufenthalt genügte. Seitdem habe er nichts mehr genommen. Woher die Angststörungen aller Wahrscheinlich nach kamen, stellte sich beim Blick in das Vorstrafenregister des Angeklagten schnell heraus. Er war trotz seiner jungen Jahre schon sechsmal mit der Justiz in Konflikt geraten. Jedes Mal wegen irgendwelcher Drogengeschichten. Einen Jugendarrest musste er schon absitzen, zu Sozialstunden wurde er schon verurteilt und ein Fahrverbot hatte er auch schon bekommen. Das sei aber nun alles vorbei, beteuerte er.

Er habe sich von den falschen Freunden komplett gelöst. Die Augen geöffnet haben dürfte ihn wohl auch, dass er von einem früheren Bekannten brutal zusammengeschlagen wurde, als er vor Gericht gegen ihn aussagte.

Staatsanwalt Christopher Feulner forderte trotzdem neben der psychotherapeutischen Gesprächstherapie eine Geldauflage von 600 Euro. Schließlich habe der Angeklagte eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt, indem er die Mittel unter falschem Namen im Darknet bestellte und dann auch noch außerhalb von Kulmbach einlöste.

Das sah Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner anders. Im Jugendstrafrecht gehe es darum, erzieherisch auf den Angeklagten einzuwirken. Das sei am besten mit einer Gesprächstherapie möglich. Eine Geldauflage werde dagegen keine Wirkung haben, da sie der Azubi aufgrund seiner geringen Vergütung ohnehin nicht bezahlen könne und er jetzt schon auf die Unterstützung durch den Vater angewiesen sei.

Computer eingezogen

Der Richter sah auch die schwierige Lage, in der sich der 20-jährige befunden habe. Letztlich sei es ihm ja darum gegangen, seine Ausbildungsstelle zu behalten. Durch die freiwillige Einweisung zu einer Entgiftungsmaßnahme sehe er auch, dass dem jungen Mann der Ernst der Lage durchaus bewusst sei. Strafe genug dürfte für ihn sein, dass sein Computer von Amts wegen eingezogen wurde, weil er als Tatmittel galt. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.