Wer den Kronacher Friedhof durch den westlichen Eingang betritt, der erblickt in der Verlängerung des Weges das imposante, aus Eisen gegossene Friedhofskreuz mit dem gekreuzigten Heiland. Den Einheimischen ist dieser Anblick vertraut. Fremde hingegen sehen etwas genauer hin. Diesbezüglich war es eine ältere Dame, die mich anlässlich eines Friedhofsbesuchs im Frühjahr 1999 ansprach, dass die Inschrift am Sockel des Kreuzes nicht mehr lesbar sei, was sie sehr bedauere.

Dies gab mir den Anlass, gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung der Stadt Kronach eine Lösung herbeizuführen, denn die Schrift sollte wieder mit Blattgold hervorgehoben werden. Mit der Ausführung der Arbeiten beauftragte man den Steinmetzmeister Günter Gehring, der rechtzeitig zu Allerheiligen die Vergoldung abgeschlossen und die Tafel wieder eingesetzt hatte.

Heute, nach zwanzig Jahren, ist die Vergoldung der Schrift noch tadellos und belegt die fachmännische Arbeit des Meisters. Unter den Symbolen von Kreuz, Herz und Anker (= Glaube, Liebe, Hoffnung) liest man: "Ich bin die Auferstehung und das Leben: wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist. Worte Christi. Joan.XI.25."

Da immer wieder Fragen nach dem Alter und der Herkunft des imposanten Kruzifixes auf dem Kronacher Friedhof an mich herangetragen werden, soll dieser Beitrag ausführlich Antwort auf die Fragen geben.

Am 19. Mai 1826 entschließt sich der Magistrat der Stadt Kronach dazu, eine Anfrage an das königliche Berg- und Hüttenamt Bodenwöhr zu richten, um Erkundigungen für ein neues Friedhofskreuz einzuholen. Warum fiel die Wahl auf Bodenwöhr? Der Grund hierfür dürfte darin gesehen werden, dass bei der 1813 durchgeführten Einteilung der drei bayerischen Hauptbergwerksdistrikte, Bodenwöhr mit den Bergämtern Amberg und Kronach und den Hüttenwerken Altendorf, Hagenacker, Leidersdorf, Obereichstätt und Weiherhammer den ersten Bezirk bildeten.

Bald darauf fand das Angebot aus Bodenwöhr den Zuspruch des gesamten Magistrates, worauf am 23. Juni 1826 "die Anschaffung eines eisernen Kruzifixes in den Gottesacker von dem Hüttenamt in Bodenwehr beschlossen wird." Die Kronacher hatten offensichtlich volles Vertrauen zu dem Angebot, denn sie überließen dem Hüttenamt die Auswahl und Gestaltung der Christusfigur: "Die Formung wird dem Hüttenamte überlassen - in Lebensgröße den Heiland; das Kreutz soll 12 Schuh hoch mit der Einlassung 9 Zoll breit, 3-4 Zoll dick, die Balken 2 ½ Schuh" sein.

Auf die Lieferung mussten die Kronacher jedoch einige Jahre warten. Die Bodenwöhrer Hütte südlich von Schwandorf in der Oberpfalz hatte zwar eine große Auswahl an kleineren Christusfiguren im Angebot. Christuskörper in Lebensgröße zu gießen waren sie erst 1829/30 in der Lage.

Schwieriger Transport

Nach der Fertigstellung des kompletten Kreuzes stand der schwierige Transport nach Kronach an. Um Schäden zu vermeiden, hatte man das Kreuz und die Christusfigur in Holzkisten verpackt und im Juli 1830 dem Fuhrmann Valentin Schleicher (Unterschrift Schleiger) aus Ilmenau zum Transport übergeben. Dieser beförderte die circa 20 Zentner schwere Last mit seinem Gespann von Bodenwöhr nach Nürnberg, von da nach Kronach.

Die Bezahlung des Kreuzes an das Hüttenamt erfolgte am 9. Juli 1830. In diesem Beleg ist festgehalten, dass die Herstellung des kompletten Kreuzes 281 Gulden (fl) 10 Kreuzer (xr) betrug. Die Fracht von Bodenwöhr nach Nürnberg belief sich auf 32 fl 17 xr und von da nach Kronach 27 fl 7½ xr. Als Gesamtkosten kamen bisher 340 fl 34 ½ xr zusammen.

Nicht unerheblich waren die Kosten, die durch die Aufstellung des monumentalen Kreuzes anfielen. Sie beliefen sich auf 231 fl 35 ½ xr. Das dürfte jedem bewusst werden, der vor der imposanten Kreuzanlage steht.

Um möglichst keine Zeit zu verlieren, vergab die Stadt die Steinarbeiten an den Maurermeister Melchior Dietrich. Dieser besaß einen Sandsteinbruch im Ziegelanger und war somit in der Lage, alle benötigten Sandsteine aus seinem Sandsteinbruch zu beschaffen. Benötigt wurden ein großer Sandsteinblock für die Kreuzaufnahme, dazu etliche Quader und Platten für das Postament und die Treppensteine. Vier Kronacher Bauern, Adam Bayer, Georg Müller, Johann Welscher und Konrad Zehter, transportierten die schwere Last mit Ochsengespannen im November 1830 vom Steinbruch an Ort und Stelle. Unter der Mithilfe von mehreren Tagelöhnern war man bemüht, das Fundament vorzubereiten. Jedoch der einbrechende Winter verhinderte weitere Arbeiten.

Ungeduldige Anfragen veranlassten den Magistrat am 8. April 1831 zu der Anordnung: "Die Aufrichtung des eisernen Kruzifixes soll unverzüglich geschehen." Bereits am 13. April hatte der Zimmermeister Georg Carl mit zwei Gesellen die Holzstangen für ein Gerüst herbeigeschafft und den Heiland vom Spital zum Friedhof gebracht. Er stellte auch einen Flaschenzug, der für die Aufrichtung der schweren Last unbedingt nötig war.

Postament aus Steinwiesen

Eine wichtige Vorarbeit erledigte der "Eisenhammer bei Steinwiesen". Dieser goss ein nahezu 10 Zentner schweres, eisernes Postament, das in den großen Sandsteinsockel eingelassen werden musste, "worin das Kruzifix (Kreuzfuß) gestellt wurde." Damit war die Standhaftigkeit gewährleistet, um bei starkem Wind das Ausbrechen des Eisenkreuzes aus dem Sandstein zu verhindern.

Die Darstellung des Gekreuzigten am Kronacher Kreuz ist ursprünglich vom Münchner Bildhauer Ludwig Schwanthaler geschaffen und trägt im "Musterbuch für Cultusgegenstände" des königlichen Berg- und Hüttenamtes Bodenwöhr den Hinweis "Christuskörper nach Schwanthaler". Das bekannteste Werk Schwanthalers ist die Bavaria auf der Theresienwiese.