Rund 4200 Menschen im Landkreis Erlangen-Höchstadt haben neben ihrer regulären Stelle noch einen Minijob. Damit stieg die Zahl der Zweitjobber innerhalb von zehn Jahren um 52 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. Die NGG Nürnberg-Fürth beruft sich dabei auf neue Zahlen der Arbeitsagentur. Danach sind Zusatz-Jobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels im Kreis Erlangen-Höchstadt besonders verbreitet: In der Branche gab es im Juni 2019 knapp 600 Zweitjobber, etwa doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor (+ 99 Prozent).

Regina Schleser spricht von einer Schieflage des Arbeitsmarktes: "Im Schatten des Booms der vergangenen Jahre sind viele sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, die kaum zum Leben reichen. Nebenjobs müssen dann die Haushaltskasse aufbessern. Aber wer auf einen Zweitjob angewiesen ist, arbeitet meist am Limit - auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit", sagt die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth. Langfristig treffe der Boom bei den Nebenjobs auch die heimische Wirtschaft: "Gastronomen und Bäckermeister, die über Fachkräftemangel klagen, aber auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch. Minijobber können keine Hotelfachleute ersetzen." Fachkräfte gewinne man nur mit ordentlichen Löhnen - "so hoch, dass die Beschäftigten keinen Zweitjob mehr brauchen". red