In den vergangenen Jahrzehnten begann kein Vereinstermin, keine Veranstaltung der Gemeinde ohne ihn. Doch in letzter Zeit war es um Fritz-Werner Finzel etwas ruhiger geworden. Von Festivitäten hatte er sich immer mehr zurückgezogen. Die letzten etwa zwei Jahre lebte er in einem Seniorenheim. Am Freitag starb er im Alter von 87 Jahren.

Fritz-Werner Finzel wurde 1933 in Coburg geboren. Seit 1945 lebte er im Haus seiner Großeltern in Untersiemau. Bereits in jungen Jahren interessierte sich der "Fritz" für das Landestheater Coburg, da sein Vater dort als Hausmeister tätig war. Damals spielte er viele Kinderrollen. Nach dem Krieg wirkte er jahrelang in der Tanzkapelle "Herz 5" als Pianist und Akkordeonspieler mit. Später organisierte er etwa 30 Jahre lang für den Theaterkreis Untersiemau die Besuche im Coburger Musentempel.

Die Liebe zum Theater und der Musik war das eine, seine Heimatverbundenheit die andere Leidenschaft. Deshalb textete er vor vielen Jahren mit viel Einfühlungsvermögen das "Untersiemau-Lied": "Von ferne grüßt der Veste Coburg Glanz". Fast überall sind Spuren des Verstorbenen. Unter seiner Leitung wurde 1980 die "Plankerwa" wieder zum Leben erweckt. Der Träger des Ehrenzeichens des Bayerischen Ministerpräsidenten, ausgezeichnet mit der Medaille der kommunalen Selbstverwaltung, war Gemeinderat von 1978 bis 1984, 3. Bürgermeister von 1984 bis 1990 und 2. Bürgermeister von 1990 bis 2003. Im Juni 2004 wurde Finzel zum Ehrenbürger der Gemeinde und 2008 zum Ehrenvorsitzenden der Freien Wähler Untersiemau ernannt. Ab 1958 wirkte er mit Leib und Seele in der evangelischen Kirchengemeinde St. Salvator als Jugendleiter, Kirchenpfleger, -vorstand. Er war Mitglied der Dekanatssynode und 50 Jahre als Lektor tätig.

Viele Ortsvereine nutzten regelmäßig seine Hilfe. Mitglied war er beim TSV, der Eintracht, dem Marienverein und Bürgerverein Untersiemau sowie bei Edelweiß Birkach. Die letzte Ehrung erfuhr er im Februar 2018 vom Tier- und Naturschutzverein Coburg, wo er fast 50 Jahre Mitglied war. Sein Lebensmotto stellte Fritz-Werner Finzel stets in den Vordergrund: "Immer der bleiben, der man ist!"

Bürgermeister Rolf Rosenbauer erzählt, erst nach seinem Amtsantritt 2014 habe es sich ergeben, dass er Fritz-Werner Finzel kennenlernte. Sie hätten Gemeinsamkeiten auf kulturellem Gebiet gehabt, so dass sich bald eine harmonische Freundschaft entwickelt habe. "Wenn ich ihn zu Hause besuchte, hat er mir vieles aus dem gesellschaftlichen, kulturellen, aber auch politischen Leben der Gemeinde erzählt."

Anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde bezeichnete der damalige Bürgermeister Günther Kob Fritz-Werner Finzel als "Kultur-Papst" der Gemeinde Untersiemau. "Die Präsenz des Menschen Fritz-Werner Finzel wird in unserer Gemeinde über seinen Tod hinaus Bestand haben", stellt Rosenbauer fest, "denn vieles wird mit seinem Namen in Verbindung stehen!"

Die Beisetzung wird in aller Stille stattfinden.