Die alte Paket- und Stückguthalle auf dem Gelände des einstigen Coburger Güterbahnhofes erfährt eine sparsame Sanierung. Der Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen entschied am Mittwoch einstimmig, auf eine Heizung und mechanische Lüftung in der Halle zu verzichten. Auch einen Aufzug in den Keller wird es nicht geben. Genehmigt waren für die Sanierung der Pakethalle vier Millionen Euro. Die Halle mit ihrem Kopfbau und dem anschließenden Zollinger-Dach wird als "eine attraktive Veranstaltungslocation für hochwertige Events, einmalige Produktpräsentationen oder als Treffpunkt für die Kunst- und Kreativszene" dargestellt.

Aber die Kosten drohen aus dem Ruder zu laufen. Peter Cosack, Leiter des städtischen Hochbauamtes, schätzte am Mittwoch 5,5 Millionen Euro als notwendig ein, um die Immobilie zu sanieren und zu ertüchtigen. Das Dach ist undicht, die Mauersockel sind stark verwittert, die Toiletten für die avisierten 400 bis 600 Gäste überhaupt nicht ausgelegt, der Brandschutz auch aufgrund der alten Elektroinstallation nicht gegeben. "Wir müssen die Vorgaben der Versammlungsstätten-Verordnung erfüllen", so Cosack. Bislang wurde jede Veranstaltung einzeln genehmigt.

Ausufernde Ausgaben

Dass die Planungen nach der fortgeschriebenen Kostenentwicklung fortgesetzt und damit um 1,5 Millionen Euro teurer werden, das wurde schon im Juli verworfen. Nun galt es zu entscheiden, ob die genehmigten vier Millionen Euro gedeckelt werden oder ob die Sanierung noch weiter heruntergefahren wird. Erst kürzlich hatte Stadtkämmerin Regina Eberwein die ausufernden Ausgaben moniert, das scheint von der Kommunalpolitik ernst genommen zu werden. Alle waren fürs Sparen. Die Variante 3 "light" wird geschätzt mit 2,85 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Einig war man sich im Senat, "dass der Charakter der Halle unbedingt erhalten bleiben muss". Weil es keine Heizung geben wird, die Lüftung durch die Tore und Türen in die Halle und durch die Oberlichter aus der Halle erfolgt, wird es in der kalten Jahreszeit keine Veranstaltungen geben. Die Heizung im Kopfbau mit ihren Büros erfolgt mittels Fernwärme, wobei die Übergabestation für einen späteren Anschluss der Halle ausreichend groß dimensioniert werden wird. Der Keller unter dem Kopfbau erhält nach den Worten von Peter Cosack "Licht und Steckdosen" und fertig. Auf eine EDV-Ausstattung wird weitgehend verzichtet.

Dacharbeiten, Mauersockel und ausreichend Sanitäranlagen werden auf alle Fälle nötig sein. Ebenso braucht es neue Kanäle. Stadtrat Peter Kammerscheid (Pro Coburg) schlug vor, die Toiletten im Keller unterzubringen und einige Behinderten-WCs im Erdgeschoss. Der barrierefreie Zugang in die Pakethalle erfolgt über den sogenannten "Catwalk" parallel zu den Bahngleisen.

Rasch entscheiden

Wie Cosack mitteilte, bleibe auch beim sparsamen Ausbau die staatliche Förderung erhalten. Die Regierung von Oberfranken hat förderfähige Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro festgestellt, vorausgesetzt, es ist Geld in der Staatskasse vorhanden und die Stadt trifft noch heuer eine Entscheidung. cw